TrAIN to Bad Ems 03.04.2009

Einladung zur Ausstellung TrAIN to Bad Ems am 3. April 2009 um 19.30 Uhr

In Partnerschaft mit der University of the Arts London präsentiert das Künstlerhaus Schloß Balmoral – unter der Ägide des Kultursommers 2009 „Cool Britannia“ – ein prozessuales Projekt. „TrAIN to Bad Ems“ wird zunächst in Balmoral im Rahmen der Offenen Ateliers am 4. und 5. April von jeweils 14 bis 18 Uhr vorgestellt und vom 25. September bis zum 31. Oktober 2009 in der Galerie Nord – Kunstverein Tiergarten in Berlin zu sehen sein.

„TrAIN to Bad Ems“: Dieser Titel der Ausstellung in Bad ist doppeldeutig:

Zum einen spielt er mit dem Gedanken des Reisens, der Entdeckung eines Ortes, des Weiterziehens und stellt somit eine Verbindung her zur Glanzzeit von Bad Ems, als die Kurgäste aus aller Welt kamen und sich nach dem Sommer wieder in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Engländer bildeten damals nach den Russen die stärkste Besuchergruppe der Bäderstadt.
Davon zeugt auch der Name des Künstlerhauses „Schloß Balmoral“, der wohl kaum ohne Hintergedanken vom Hotelbesitzer gewählt wurde – vorher hieß die Privatvilla „Villa Diana“.

Zum anderen steht TrAIN für das Programm des Research Centre for Transnational Art, Identity and Nation, das 1992 gegründet wurde und an dem sich verschiedene Akademien im Verbund der University of the Arts London beteiligen.
Dass ein solches Zentrum in London etabliert wurde, ist dabei kein Zufall: London ist die unbestrittene Metropole des British Empire, doch die Wahrnehmung ihrer Identität und Rolle hat sich in den letzten Jahrzehnten verschoben. In früheren Zeiten sah man vorrangig den kulturellen Einfluss Großbritanniens mit seiner Hauptstadt London auf seine über die Kontinente gestreuten Herrschaftsgebiete. Es war die Weltmacht Nummer eins und gab den Ton an. Mit dem schwindenden Kolonialismus und dem wachsenden schlechten Gewissen des „Big Brother“ gegenüber den lange als Untertanen angesehenen Nationen, öffnete sich der Blick für all das, was Großbritannien, insbesondere London, den anderen Völkern, also den Einwanderern, zu verdanken hat. Was wäre London ohne die kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt, ohne die verschieden aufeinander prallenden Kulturen aus allen Kontinenten, der farbigen Bevölkerung und der Vielfalt der Religionen und Sprachen?

Das beste Beispiel liefert die Kunst selbst:
Sutapa Biswas, Reader des TrAIN Programme und Betreuerin des vorliegenden Projekts, ist Inderin, gilt aber als angesehene britische Künstlerin. Ebenso Gladstone Thompson, der ursprünglich aus Westindien kommt und in London lebt und arbeitet.
Die jungen Künstlerinnen und Künstler, die Sutapa Biswas für eine Reise nach Bad Ems ausgesucht hat, gehören dem TrAIN Programme an. Auch sie haben einen internationalen Hintergrund: Maria Laet kommt aus Brasilien, Young-Mi Kim aus Korea und Karl Omarsson aus Island. Dennoch vertreten sie diese neue Britische Gesellschaft und sorgen mit den verschiedenen Denkanstößen, die sie aus ihrer Heimat mitgenommen haben, für die Vielfältigkeit des modernen Großbritanniens.

Diese fünf Künstler – mit ihrer Großstadterfahrung und ihrem internationalen Background – reisen nach Bad Ems und entdecken die Architektur der Stadt, ihre Geschichte, die Quellen, die heutige Gesellschaft und das bezaubernde landschaftliche Umfeld. Gemeinsame Lektüren („Die Kinder“ von Rainer Maria Rilke und philosophische Werke wie „Malaise dans l'esthétique“ von Jacques Rancière) und gemeinsame Spaziergänge sollen neue Impulse für neue Werke geben. Dabei stehen Poesie und Identität als Kern der Auseinandersetzung, eine Aufgabe, die jeder im Rahmen der eigenen Arbeit umsetzt:
Maria Laet verfolgt die Spuren der Zeit, Young-Mi Kim sieht Parallelen zwischen der hiesigen Landschaft und alten Trachten zur eigenen koreanischen Tradition und Karl Omarsson findet in der Emser Depesche Anregungen für die Dualität von Kraftfeldern.

Wir freuen uns, Ihnen die Resultate der hier gewonnenen Eindrücke bei den Offenen Ateliers zu präsentieren, die dann in London weiterentwickelt und für die Ausstellung in Berlin fertig gestellt werden.


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