BALMORAL MELDET
Mittwoch, 15. Juli 2009, 19.30 Uhr Lesung im Rahmen der Ausstellung km 500 2 in der Kunsthalle Mainz: Prophezeiungen im Mosteiro Schürer Dr. Danièle Perrier, Künstlerhaus Schloß Balmoral
Im Rahmen der Ausstellung km 500 2 in der Kunsthalle Mainz hat Daniel Schürer die Installation Mosteiro Schürer aufgestellt. Sein Kloster besteht aus zehn Parzellen mit zehn Zelten, von denen neun für kuratorische Projekte zur Verfügung stehen. Am 15. Juli um 19.30 Uhr wird Dr. Danièle Perrier, geschäftsführende künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Schloß Balmoral, Bad Ems, eines der Zelte bespielen und die Prophezeiungen von Biefer/Zgraggen lesen.
Die Prophezeiungen bestehen aus einem Text und einer Installation, die 1990 für das Musée d’Art et d’Histoire in Fribourg geschaffen wurde, bevor sie um die ganze Welt reiste. Was könnte besser zu einer klösterlichen Anlage passen als diese Installation, mit der Biefer/Zgraggen ebenso archäologisch wie psychoanalytisch nach Erklärungen für den Zustand der Gegenwart suchen? Sie graben nach einem Vor-Bewusstsein des Kommenden, verborgen im Zement, in Beton, diesem symbolisch so hoch aufgeladenen, psychohistorischen Fundament unserer ins Taumeln geratenen Zivilisation. Im ebenso intuitiven wie projektiven Schaffensprozess der beiden Künstler ist viel von einer „Künftigkeit“ zu spüren, in der das katastrophale Geschehen fast durch nichts bemerkbar sein wird. Statt der Augen, der anderen Sinne und des Instinkt wird man für das Überleben Wissen, Ahnung und Intuition brauchen. Die katastrophal abnehmende Wahrnehmbarkeit gerade des Zerstörerischsten, das Abstumpfen gegenüber Zeichen der schleichenden, verheerenden Veränderungsprozesse, führt langsam aber sicher zur unabwendbaren Katastrophe. Biefer/Zgraggen sind Zeit-Plastiker mitten im Bewusstseinsraum der Gegenwart, der Lebenswelt, sie erweitern diesen Raum gewissermaßen nach unten, denn wer nach unten gräbt, wird wissen, wie etwas aufgehört hat, ein Leben, eine Kultur. Sie haben sich eine eigenständige Raumsphäre, einen Bild-Raum geschaffen, in dem die eigene Bildzeichensprache entwickelt wurde. Biefer/Zgraggen scheinen sich über die Schaffung einer autarken Zeit-Räumlichkeit, Zeit-Rechnung oder eben Zeitlichkeit zu definieren. Dazu passt auch, dass sie, die 1983 zum ersten Mal gemeinsam arbeiteten und ab 1986 ausschließlich zusammen wirkten, 1999 ihre künstlerische Tätigkeit damit beendeten, indem sie als letzte Aktion in Breda ihre gesamten Werke auf eine Müllhalde kippten. Den Archäologen der Zukunft wird es überlassen werden, deren Werke neu zu entdecken und zu interpretieren.
Der Text beruht weitgehend auf jenen von Patrick Frey, So wird es (gewesen sein). In: Biefer/Zgraggen, Prophezeiungen, Band 2, Musée d’art et d’histoire Fribourg, 1990, publiziert im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung, kuratiert von Danièle Perrier
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