BALMORAL MELDET
Wir laden Sie herzlich zu folgender Ausstellungseröffnung ein und bitten um Veröffentlichung:same same but different Hermine Anthoine • Liliana Basarab • Ins A Kromminga • Peter Pommerer• Karen Scheper • Daniel Schürer
Freitag, 26. September 2008 um 19.30 Uhr im Künstlerhaus Schloß Balmoral
Eröffnung: Heinz Georg Bamberger, Minister der Justiz Rheinland-Pfalz, Mainz Einführung: Dr. Danièle Perrier, geschäftsführende künstlerische Leiterin des Künstlerhauses 20.15 Uhr: Enthüllung des Monuments „Individualismus“ von Liliana Basarab durch Stadtbürgermeister Ottmar Canz 21.30 Uhr: Performance von Spastic Dementia und The Automatic Ant
Die Ausstellung ist vom 27. September bis 5. Oktober zu besichtigen. Öffnungszeiten: Samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr, werktags nach Vereinbarung
Das Künstlerhaus Schloß Balmoral präsentiert Werke seiner internationalen Anwesenheitsstipendiaten 2008 in einer gemeinsamen Abschlussausstellung. Der Titel der Ausstellung same same but different spielt darauf an, dass die Balmoral Stipendiaten während ihres Aufenthaltes in Bad Ems zwar alle gleiche Voraussetzungen vorfinden, jedoch alle individuell auf die vorgefundenen Konstellationen reagieren. Jeder Stipendiat erlebt und nutzt das Angebot des Künstlerhauses auf seine persönliche Art und Weise. In diesem Jahr haben die Künstlerinnen und Künstler insbesondere in den Gattungen Zeichnung, Skulptur und Installation gearbeitet.
Die Werke der französischen Bildhauerin Hermine Anthoine werden hauptsächlich durch die Beobachtung der Natur bestimmt. Sie gießt beispielsweise Strohballen, Sonnenblumen oder Wollknäuel naturgetreu in Bronze ab.. Wenn Letztere auf vier Stecken gepfercht und auf einem mit grünem Stoff überzogenen Tisch gestellt werden, erwecken sie den Eindruck von weidenden Schafen. Immer spielt die Beschaffenheit des Materials eine große Rolle, der Glanz der Bronze oder der Keramik und das sich darin einfangende Licht. In Bad Ems nutzt sie die Möglichkeit im Familienbetrieb Baukeramik Ebinger GmbH zu arbeiten um Keramiken zu produzieren, die in Installationen verarbeitet werden: Die eine nimmt Bezug auf das vorgefundene Motiv des Bodens im Historischen Saal des Künstlerhauses, die Andere greift das Motiv der Reliquie auf: Schädelköpfe werden in einem architektonischen Rahmen aufgereiht, der die Gegebenheiten des Raumes aufgreift. Die Schädel selbst sind verziert und wirken dadurch vollkommen individuell, ja sogar belebt. Hermine Anthoine hat auch eine Edition von Kleinskulpturen hergestellt, die bei der Eröffnung zum Verkauf angeboten werden.
Die gebürtige Rumänin Liliana Basarab arbeitet mit verschiedenen Medien: Videokunst, Installation, Fotographie und Skulptur. Sie beschäftigt sich mit der Herstellung von Werte-Konzepten, sowie mit der Institutionalisierung solcher durch den Menschen selbst erzeugten Phänomene. In ihrem Projekt für das Künstlerhaus Schloß Balmoral untersucht sie die Konstruktion von Individualismus. Ihr Instrument ist eine dafür entwickelte Webseite auf der sich die Einwohner von Bad Ems mit einer Fotografie von sich selbst zur Wahl als Herr/Frau Individualismus stellen. Besucher der Webseite www.monuments-for-concepts.com bestimmen durch Mausklic ihren Favoriten. Der Sieger des Wettbewerbs wird in einer Büste verewigt, die ihren Platz auf dem öffentlichen Balmoral Gelände finden wird. Die Künstlerin arbeitet mit der Baukeramik Ebinger, Bad Ems, zusammen. Die Arbeit besitzt nicht nur einen work-in-progress Charakter, sondern aktiviert zur Teilnahme eines gemeinschaftlich gelenkten Projekts. Somit hat das Konzept auch eine demokratische und emanzipatorische Auswirkung, das dank des World Wide Web realisiert werden kann. So wird die Gemeinschaft der Teilnehmer zum virtuellen Auftraggeber.
Drei der sechs Stipendiaten, die im folgenden vorgestellt werden, arbeiten mit dem Medium der Zeichnung. Im Vergleich der Arbeiten zeigt sich wie unterschiedlich diese künstlerische Ausdrucksform Verwendung finden kann und Differenzen hervorbringen, die sich auf ihre Art im gewählten Titel widerspiegeln.
Der Themenkomplex, mit dem sich der_die deutsche Künstler_in Ins A Kromminga auseinandersetzt und kritisch hinterfragt, beinhaltet Fragen zu Geschlecht und Identität, nicht zuletzt angeregt durch die eigene Erfahrung als intersexueller Mensch. Als Ausgangsmaterial dienen Zeitschriften, Comics und Legenden, wobei die dargestellten Personen zu Zwitterfiguren mutieren, ähnlich Hermaphrodit. Mutanten und Helden sowie geflügelte Zwitterwesen aus der griechischen Mythologie gehören ebenso zum Repertoire der Zeichnungen, die öfters durch Textzitate kommentiert werden. Oft werden viele Einzelblätter zu einer Installation zusammen gefügt, die eine zeichnerische Erweiterung direkt auf der Wand finden. Der Zusammenschluss der einzelnen Bilddarstellungen unterstreicht den narrativen Charakter ihrer_seiner Arbeit, was das Comicartige verstärkt. Die Zeichnung wechselt von Skizzenhaftigkeit zu genauer Ausführung, selbst im einzelnen Bild. Wie in den Marvel Comics der 60-er Jahren werden gewisse Teile farbig ausgestaltet, die sich von den anderen abheben und den Betrachter auffordern das Bild imaginativ farblich zu ergänzen.
Peter Pommerer arbeitet mit einer reduzierten Formensprache, die viel Platz zum Assoziativendenken lässt, aber nicht zwingend eine Interpretation erfordert. Smiley, schematisierte Elefanten, Augen, Sonne, Mond und Sterne bilden neben rein ornamentalen Strukturen die Basis seiner Bildgestaltung. In Anlehnung an Gilles Deleuze’ und Félix Guattaris Begriff des Rhizoms entwickeln sich die Zeichen gleichwertig im Bild. Somit wird die (Wand)Zeichnung zu einem ornamentalen all-over Gefüge. Sein verspielter zeichnerischer Duktus ruft eine scheinbare Leichtigkeit hervor, die manchmal durch den Inhalt gebrochen wird. Im Schloß Balmoral nutzt Pommerer die Wände seines Ateliers als monumentalen Malgrund für seine ornamentale Wandgestaltung. Seine schablonenartige, in fröhlichen, dezenten Farben gehaltene Wandzeichnungen, werden direkt mit Buntstift auf den Putz gebracht. Durch bewusst gesetzte Leerstellen im Bildgefüge ist die Wand Teil der Gestaltung, nicht nur Bildträger.
Inspiriert durch das literarische Genre des Science Fiction, befasst sich Karen Scheper in allen Werkgruppen mit der Frage der künstlichen Intelligenz und der Visualisierung der Pluridimensionalität. Bei der Fertigung ihrer Werke versucht sie das Bewusstsein weitgehend auszuschalten und bedient sich der écriture automatique. Sie lotet in ihren Zeichnungen die Beschaffenheit von Raum und Zeit aus: Manche erinnern in ihrer Struktur an architektonische Entwürfe, andere haben manischen Charakter, verdichten sich an manchen Stellen so sehr, sodass sich unbekannte Welten auftun. Oft spielt das Wort eine wesentliche Gestaltungsrolle, z.B. in den Arbeiten, in denen sie den Roman The Three Stigmata of Palmer Eldritch von Philip K. Dick abschreibt und gestaltet. In Balmoral hat sie eine Serie von plastischen Zeichnungen entwickelt, die sie zusammen mit schwarzen Folien, in denen sich die Realität widerspiegelt, in den Raum platziert. Die Zeichnung greift auf diese Weise selbst in den Raum ein und versucht alternative Welten, bzw. utopische oder dystopische Zukunftsvisionen darzustellen. Zur Eröffnung wird sie zusammen mit Spastic Dementia als The Automatic Ant auftreten.
Daniel Schürer ist Konzeptkünstler, der sich mit seinen autonomen Räumen Spielplätze im Kunstbetrieb schafft. Er versteht seine Arbeit als ortsspezifischen Diskurs, den er als Künstler-Kurator durch die Gründung eigener kultureller Orte entstehen lässt. Zentrale seiner Aktivitäten ist sein 1992 gegründeter Kunstverein Via 113 in Hildesheim. Überall, wo er sich aufhält entstehen weitere Ausstellungsorte: So der Kunstraum Schürer in Berlin, Karoline Rieder in Locarno oder das Kloster Schürer in Porto. Diese Orte sind nie auf eine begrenzte Zeit gedacht; sie möchten ein Netz bilden. Manche werden aufgegeben, andere entstehen. So auch in Balmoral, wo er eine Dépandance des Kunstvereins Via 113 als Galerie Via 113 gründete und somit einen kulturellen Raum in der Kulturinstitution einrichtete. In regelmäßigen Abständen wurden immer wieder neue Aktionen inszeniert, die den Raum neu erleben ließen, einmal in seiner puristischen Variante als Kloster, zu dem man pilgert – daher die Zelte – um dann in der neuesten Form mit einer Art selbst gestickten Ex-Voto Tafeln konfrontiert zu werden, dessen Material er von einer alten Bad Emser Handwerks- und Kaufmannsfamilie bezog. Zu den Treffen gehört auch immer die Konvivialität, das Teilen des Brotlaibs. Der festliche Charakter der Eröffnungen wurde durch die Beflaggung des Hauses markiert. Als neueste Variante schuf er die Internationale Kunsthalle Rheinland-Pfalz, die kleinste Institution der Welt, die ihren dauerhaften Sitz in Balmoral finden wird, das auch die kuratorische Tätigkeit übernehmen soll. So gelesen versteht sich die Arbeit von Daniel Schürer als Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen des Kunst- und Kulturbetriebs.
Bildmaterial und weitere Informationen stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung. Die Viten der Künstler finden Sie auf: http://www.kuenstler.balmoral.de/kuenstler/2008/index.html
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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