Wir laden Sie herzlich ein zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion und bitten um Veröffentlichung
Donnerstag, 25. Oktober 2007, 19.30 Uhr Die Muehl-Kommune Dr. Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen Hamburg, im Gespräch mit Birgit Weidmann, Künstlergemeinschaft Neuwagenmühle e.V. Künstlerhaus Schloß Balmoral
Das Künstlerhaus Schloß Balmoral hat mit Dr. Robert Fleck und Birgit Weidmann zwei Persönlichkeiten eingeladen, die beide einen starken persönlichen Bezug zur Muehl-Kommune haben. Sie werden jeweils aus ihrem Blickwinkel von diesem einzigartigen Gesellschaftsexperiment berichten.
Die Kommune des Wiener Aktionskünstlers Otto Muehl war eines der aufsehenerregendsten und umstrittensten künstlerischen und gesellschaftlichen Experimente der 70er Jahre. Die Muehl-Kommune oder AAO (Aktionsanalytische Organisation) wurde 1971/1972 als Gegengesellschaft gegründet, deren Keimzelle zunächst in einer Privatwohnung in der Praterstraße 24 in Wien gedieh. Schnell entstanden weitere Stadtkommunen in Wien (Friedrichshof), München, Genf, Paris, Nürnberg, Hamburg, Bremen, Berlin und Oslo. Die Muehl-Kommune war ein idealistischer Versuch, die Welt durch Kunst zu verändern. "Gemeinsame Sexualität", eine Verbindung von Happening, Körperkunst und Wiener Aktionismus, brachten der Kommune jedoch den Ruf als "Sex-Kommune" und als Sekte ein, was letzten Endes dazu führte, dass die Kommune 1990 aufgelöst und Muehl inhaftiert wurde. Muehl polarisiert bis heute: 2004 zeigte das MAK in Wien die Ausstellung Otto Muehl - Leben/Kunst/Werk - Aktion/Utopie/Malerei 1960-2004, die sehr kontrovers diskutiert wurde.
Zu den Vortragenden: Robert Fleck, der Otto Muehl an die Ecolé des Beaux Arts de Nantes eingeladen hatte, beschrieb in seinem 2003 erschienenen Buch Die "Mühl-Kommune". Freie Sexualität und Aktionismus. Geschichte eines Experiments. erstmals aus unabhängiger Warte und mit geschichtswissenschaftlicher Methodologie die abenteuerliche Geschichte dieses Kunstprojekts, das zur gesellschaftlichen Kraft und zu einem diktatorischen Staatsgebilde ausartete. Sein Buch, das auf Auswertung des Kommune-Archivs sowie auf zahlreichen Gesprächen mit Beteiligten und Zeitzeugen beruht, ist im Verlag Walther König erschienen. Der gebürtige Österreicher Fleck ist promovierter Historiker. Seit 1982 arbeitet er als freier Kunstkritiker. 1991-1993 war Fleck als österreichischer Bundeskurator für Bildende Kunst und 1991-1999 als Frankreich-Korrespondent der Kunstzeitschrift ART. Unter den unzähligen Ausstellungen, die er kuratierte, sticht 100 Jahre Wiener Secession (1998) hervor. Seit 2004 ist er Direktor der Deichtorhallen in Hamburg.
Birgit Weidmann lebte von 1976 bis 1990 in der Muehl-Kommune. Sie war 1982 Mitarbeiterin im FIU-Koordinationsbüro 7000 Eichen auf der Documenta 7. Seit 1990 arbeitet sie als freie Künstlerin. 1995 initiierte sie ein Wohnprojekt als Hausgemeinschaft in der späteren Neuwagenmühle in Kördorf (Taunus), wo seit 1997 regelmäßige Kulturveranstaltungen und Kunstaktionen stattfinden. Seit 2002 arbeitet sie mit dem Omnibus für Direkte Demokratie und Volksabstimmung zusammen, einer Initiative, die auf Joseph Beuys und Rudolf Steiner fußt. Nach einer Gastdozentur 2004 und 2005 am Institut für Ästhetische Bildung an der Universität Hannover gründete sie 2006 den Verein Künstlergemeinschaft Neuwagenmühle e.V.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und verbleiben mit freundlichen Grüßen
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