Die Russen kommen 29.09.07

Wir laden Sie herzlich zur Abschlussveranstaltung der im Rahmen des Projektes „Die Russen kommen“ eingeladenen Künstler ein und bitten um Veröffentlichung:
Samstag, 29. September 2007

Misha Le Jen • Marina Naprushkina • Taras Polataiko

Programm:
17.30 Uhr Empfang im Künstlerhaus Schloß Balmoral
19.00 Uhr Wanderung zum „Haus der Vier Türme“ (Kurpark)
Zum Abschluss ihres einmonatigen Stipendiums präsentieren die Weißrussin Marina Naprushkina, der Russe Misha Le Jen und der Ukrainer Taras Polataiko ihre in Bad Ems geschaffenen Kunstwerke. Die drei Künstler arbeiten mit Malerei, raumspezifischen Installationen und Performance und treffen vollkommen unterschiedliche inhaltliche Aussagen, die teils das historisch-politische Verhältnis zwischen Ost und West in Bad Ems thematisieren.
Da sich zwei Installationen im Kurpark vor dem Haus der Vier Türme befinden, werden wir nach der Besichtigung der Werke in Balmoral dorthin wandern.

Misha Le Jen aus Saratov in Russland ist Aktionskünstler. Er studierte zunächst Architektur in St. Petersburg und unterrichtete in diesem Fach an der Universität von Saratov, wo er bis heute lebt. Von 1987-90 ist er Mitglied der Avantgarde Künstlergruppe "Zholtaya Gora" (Yellow Mountain) und lebt seit 1989 als freier Künstler.
Die Aktionen des letztjährigen Kunstpreisträgers Balmoral03 werden immer im Stillen vorbereitet und durchgeführt. Das Resultat hält er in Kurzvideos fest, sowie in handgefertigten Katalogen in limitierter Auflage, die immer poetisch und von leisem Humor durchzogen sind. Nun wird Le Jen erneut eine extra für Bad Ems geplante Action Penka in seinem Atelier im Künstlerhaus Schloß Balmoral uraufführen. Penka heißt auf deutsch sowohl Schaum als auch Trick. Damit kommt einmal mehr die Bedeutung des Wortspiels in seinem Werk zum Ausdruck: Wie schon „Becken“, das im letzten Jahr hier durchgeführt wurde, verweist auch dieser Werktitel auf mehrere Auslegungen.

Marina Naprushkina kommt aus Minsk in Weißrussland und hat 2000 ihr Studium zunächst an der Hochschule der bildenden Künste in Karlsruhe begonnen und am Städel in Frankfurt fortgesetzt, wo sie seit 2004 lebt und arbeitet. 2006 wurde sie von der sie vertretenden Frankfurter Galerie U7 im Berliner Kunstsalon gezeigt und dort als Shooting Star bezeichnet. Sie verwendet verschiedene Medien, u.a. die Malerei, die auch in ihren Installationen eine wesentliche Rolle spielt. Inhaltlich setzt sie sich kritisch mit der Diktatur Ihes Landes und deren Manipulationsmechanismen auseinander. Formal setzt sie sich daher mit der russischen Soz’Art auseinander, die sie mit konstruktivistischen Elementen durchdringt. Ihr „Büro für Antipropaganda“ ist in ihrem Atelier in Balmoral zu sehen, das um eine einzige Person kreist: den Präsidenten Weißrusslands, Alexander Lukaschenko. Für ihn hat sie im Kurpark eine rote Tribüne gebaut, die Lukaschenkos Präsidententribüne nachempfunden ist. Im Gegensatz zu jener Tribüne ist die Emser Ausgabe jedoch eine Attrappe: Sie bleibt leer und verkörpert durch ihre rote Massigkeit Geltungsansprüche, die in sich hohl und ohne Fundament sind. Allerdings entwickelt die Arbeit eine starke skulpturale Präsenz, die mit ihrem Volumen ein Gegengewicht zur Architektur des Vier-Türme Hauses bietet.

Taras Polataiko ist in der Ukraine geboren. Er studierte am Moscow Stroganov Institute of Fine and Industrial Arts. 1990 übersiedelt er nach Kanada. Er erhält ein Stipendium der kanadischen Universität und schließt 1993 mit dem Master of Fine Arts an der University of Saskatchewan, Saskatoon, Kanada, ab. Inzwischen hat er die Doppelbürgerschaft als Ukrainer und Kanadier und lebt und arbeitet in Kiev und Vancouver. Taras Polaitaiko stellte bereits international in Gruppen- und Einzelausstellungen aus. Seinte Werke waren in auf der São Paulo Biennale, im Musée d’Art Contemporain de Montreal, in der Antoni Tapies Foundation, Barcelona, in der Lombard-Freid Fine Art, in der Schroeder-Romero Gallery, New York, und in der International Soros Foundation zu sehen. Für Polataiko hat der Emser Erlass des russischen Zaren Alexander II., das im Haus der Vier Türme unterzeichnet wurde, eine besondere Bedeutung. Dadurch verbot er die Ukrainischen Sprache. Bis vor ein paar Monaten erinnerte eine an die Wand des Vier-Türme Hauses angebrachte Gedenktafel, an das Verbot, Sie fiel dem Vandalismus zum Opfer und wurde bisher noch nicht ersetzt. Durch eine Lichtinstallation und den Gesang eines Kanarienvogels aus ukrainischer Züchtung will Polaitaiko so lange an dieses historische Ereignis erinnern, bis die Tafel wieder installiert ist.
Bildmaterial und weitere Informationen stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.


Die Viten der Künstler finden Sie auf: http://www.balmoral.de/stipendiaten/

Bitte beachten Sie des Weiteren:
Die Ausstellung Lucas Bambozzi Jürgen Heiter Neringa Naujokaite ist noch bis einschließlich 7. Oktober zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Wochenends und feiertags von 13-17 Uhr, sowie nach Vereinbarung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Dr. Danièle Perrier
Geschäftsführende künstlerische Leiterin


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