Ausstellung Jackpott Berlin

Jackpot Pressemitteilung

Die Ausstellung JACKPOT wird von der
Galerie im Körnerpark übernommen

Ausstellungsdauer: 8. Juli – 6. August 2006
Eröffnung: 7. Juli 2006, 19 Uhr

Bezirksamt Neukölln von Berlin - Kulturamt
Schierker Str. 8, 12051 Berlin
Öffnungszeiten: Di – So 12 bis 18 Uhr

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Sheila Barcik, Roswitha von den Driesch, Martin Durham, Till Exit, Geka Heinke, annette hollywood, Markus Kiefer, Pierre-Yves Magerand, Matthias Mayer aka Mo Magic, Cony Theis, Petra Warrass.

Zum ersten Mal werden der Kunstverein Ludwigshafen und die Galerie im Körnerpark, Berlin (Eröffnung 8. Juli 2006), eine umfangreiche Gruppenausstellung mit den Stipendiaten 2005 vom Künstlerhaus Schloß Balmoral präsentieren.

Die ehemaligen Balmoral Stipendiaten haben unter dem Eindruck der Stadt Bad Ems, die mehrere Monate Arbeits- und Wohnort für sie war, eine hoch aktuelle und doch der Stadt mit seiner Glanzzeit im 19. Jahrhundert inhärente Thematik erarbeitet. Die Spielbank hat hier in jeder Hinsicht eine zentrale Rolle. Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler wählten entsprechend einen Titel, der einen unmittelbaren Bezug zum Glücksspiel hat: JACKPOT. Sie hinterfragen in ihren Arbeiten auf ganz unterschiedliche, zum Teil sehr spielerische, Weise die Beziehung von (Glücks-)Spiel, Kunst und Leben. Es ist nach den Ausstellungen „Cheval“ und „Sur le tapis“, die in Bad Ems gezeigt wurden, bereits ihre dritte Präsentation zu diesem Themenkomplex.

Die Ausstellung gibt weiterhin einen Einblick in die aktuellen Arbeiten der Stipendiaten und zeigt eine Vielzahl künstlerischer Medien.

Die Malerin und Zeichnerin Sheila Barcik spielt mit den Formaten und der Grenze zwischen Malerei und Zeichnung. Bis zu 200 DIN A 4 große Einzelblätter mutieren zu einer riesigen „Wandzeichnung“. In ihren neuen Gemälden hingegen dominiert die klare Linie und Fläche. Inhaltlich setzt sich Sheila Barcik mit dem äußerst komplexen Thema des „Alleinseins“ auseinander, das nicht nur als Belastung zu verstehen ist.

Roswitha von den Driesch konstruiert in ihren Video- und Klanginstalltionen, vertont von Jens-Uwe Dyffort, räumlich bedingte Bewegungsabläufe und Kommunikationsformen. Die Darstellung des teilweise alltäglichen Agierens der Personen in begrenzten Raumsituationen ist einem Piktogramm ähnlich reduziert. Und doch läßt sie den Betrachter durch subtile Bewegungen und Sound Teil des Geschehens und so zum Spielball seiner subjektiven Erwartungshaltung werden.

Martin Durham will mit seinen Zeichnungen und Holzinstallationen Formen durchbrechen. Er irritiert durch die fast greifbare Erinnerung an bestimmte Motive, die sich jedoch nicht verifizieren lassen. Die organisch amorphen Gebilde der Zeichnungen ergeben keine wirkliche Narration, sind jedoch in seinen Blättern immer wieder auffindbar und spinnen so einen scheinbar roten Faden von Zeichnung zu Zeichnung. In den Holzarbeiten kundschaften sie den Raum aus und spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters.

Die Fotografien von Till Exit zeigen bizarre Räume, die weder Realität noch Installation zu sein scheinen. Tatsächlich führt er uns in längst verlassene Räume, in denen er mit der Kamera die Spurensuche nach kollektiver und individueller Nutzung über Generationen und die Prägung permanenter Umbauten betreibt. Eine Spurensicherung für das persönliche und kollektive Gedächtnis, vor allem aber für die morbide Ästhetik einer einstigen Alltäglichkeit.

Geka Heinke löst Wände und Räume auf. Ihre Malereien sind oft direkt auf die Wand gebracht und evozieren zum einen durch perspektivische Verzerrung ein skulpturales Objekt, das in weiter Ferne zu sein oder in der Luft zu schweben scheint. Zum anderen transformiert die Ornamentik alltäglicher Gegenstände durch die sachliche und serielle Vergrößerung zu etwas Fremdartigen.

annette hollywood ist wohl die größte interdisziplinäre (Kunst-)Spielerin dieser Ausstellung. Ihre Videoarbeiten – „Soaps“ – und Musikarrangements verknüpfen die Welt der Fernsehserien und des MTV mit der Welt der Künstlerin respektive der Kunst. Ein Verwirrspiel zwischen Fiktion und Realität, die ihrerseits zwischen den beiden Polen Bildschirmwelt - Wirklichkeit pendelt, setzt ein.

Bei Markus Kiefer ist das Spiel mit der reelen Zeit, mit der Veränderung durch Zeit, mit der Wiederholung in einer bestimmten Zeit ein zentrales Thema. Seine Zeitraffer-Aufnahmen fungieren wie ein Lupe und offenbaren, was in Realzeit kaum auffällt. Andere Videoarbeiten dokumentieren seine Experimente, die die Belanglosigkeit und sich wiederholenden (fast) alltäglichen Prozesse auf übergeordnete Fragestellungen zuspitzen.

Der Bildhauer Pierre-Yves Magerand scheint sich dem Experiment, zweidimensionales in dreidimensionales zu verwandeln, unterworfen zu haben. Er spielt mit den von ihm gefundenen organischen Objekten und dem Papier, auf das er sie zeichnet. Während die Motive seiner Aquarellzeichnungen zwischen Naturwissenschaft und Surrealität schweben, werden sie in Symbiose mit dem Papier zum eigentlichen Objekt.

Matthias Mayer aka Mo Magic befriedigt den kindlichen Trieb einer anarchistischen Fahrt durch die Großstädte Paris - Berlin. Seine selbstgebauten ferngesteuerten Autos zeigen nicht nur Charakter, sondern auch die Unterschiede und Verwandtschaften der jeweiligen Großstädte im Zeitalter der Globalisierung.

Das zentrale Motiv der Arbeiten von Cony Theis ist das Portrait. Sie jongliert dabei mit den (Selbst-)Portraits von Frauen aus der Kunstgeschichte oder adaptiert deren typische Körperhaltungen. Diese traditionellen Sujets malt oder zeichnet sie auf ungewöhnliche, zum Teil ephemere Bildträger wie Transparentpapier oder die eigene Haut.

Bei Petra Warrass ist das Spielen selbst Inhalt ihrer Arbeit. Es handelt sich entweder um beobachtete Szenen oder Abläufe, bei denen sie von Anfang an Regie führt. Das Spiel der Jungen untereinander, naiv vorgeführt mit brutalem Inhalt. Das inszenierte Spiel von jungen Männern und einzelnen Herren. Es bleibt immer die Frage des „Warums“.

Die Werke der elf Stipendiaten werden in Einzelkatalogen dokumentiert, die als Teil des Jahrbuchs vom Künstlerhaus Schloß Balmoral erstellt werden.

Das Künstlerhaus Schloß Balmoral in Bad Ems existiert seit 10 Jahren und hat bisher ca. 90 internationale Künstlerinnen und Künstler gefördert. Viele der Stipendiaten haben inzwischen einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht und sind in bedeutenden Ausstellungen vertreten. Aufgrund des großen Renommees des Hauses – dafür spricht die Qualität der Künstlerinnen und Künstler und die Lebendigkeit des Programms – finden regelmäßig Kooperationen mit anderen Institutionen im In- und Ausland statt.


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