Vortrag Szylak 03.07.2009

BALMORAL MELDET

Vortrag von Aneta Szyłak, Wyspa Institute of Art in Danzig
im Künstlerhaus Schloß Balmoral
am Freitag, 3. Juli 2009, 19.30 Uhr.
Der Vortrag wird auf Englisch gehalten. Eine zusammenfassende Übersetzung ins Deutsche wird angeboten.

Aneta Szyłak, Wyspa Institute of Art in Danzig, wird über drei ihrer Ausstellungen sprechen: „Health and Safety“ (2004), „Dockwatchers“ (2005) und „Over and Over Again“ (2008). Allen drei Projekten liegt zugrunde, dass sie sich in einem lokalen Kontext mit der Debatte um den Einfluss und die Rolle der Kunst in der nationalen Politik befassen.

Das Wyspa Institute of Art befindet sich seit 2004 auf dem Areal der Danziger Werft, einem historisch sehr bedeutsamen Ort, der Ausgangspunkt für kulturelle und politische Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte in Polen war.
Die Danziger Werft ist die Wiege der Solidarnosc-Bewegung, die im Sommer des Jahres 1980 begann: Während eines Streikes wurde die Gewerkschaft Solidarnosc gegründet. Die Werft gilt als Keimzelle der demokratischen Bewegung Polens. Der Gewerkschaftsführer Lech Wałęsa wurde am 9. Dezember 1990 zum Präsidenten Polens gewählt. Ohne die Ereignisse in Danzig, die auch in den Nachbarländern das Signal zum Niedergang der Sowjetunion setzten, wäre es vielleicht nie zum Fall der Berliner Mauer gekommen.
Der Erinnerungsort „Danziger Werft“ ist jedoch in Gefahr: Vielen Werftarbeteitern droht die Arbeitslosigkeit, große Teile des riesigen Geländes liegen brach. Die Werft wurde Gegenstandt ideologischer Debatten und von Politikern für ihre Zwecke instrumentalisiert. Stadtplaner entwerfen bereits ein neues luxuriöses Stadtviertel mit einem angeschlossenen Themenpark zur Geschichte des Ortes. Diesem Prozess schlägt bürgerlicher Protest entgegen, der die turbulenten Veränderungen im politischen und gesellschaftlichen Gefüge Polens aufzeigt.
Szyłak stellt die Frage, wie sich zeitgenössische Kunst heute mit solch komplexen Narrativen, dem Gebrauch und Missbrauch kultureller Repräsentationen auseinandersetzen kann. Wie kann in Kunstausstellungen die Vergangenheit ausgegraben und am Leben erhalten werden, ohne einem politischen Utilitarismus zum Opfer zu fallen?


Zur Person Aneta Szyłak:

Aneta Szyłak ist Kuratorin, Mitbegründerin und zur Zeit Direktorin des Wyspa Institute of Art in der ehemaligen Danziger Werft. Sie ist Vizepräsidentin der Wyspa Progress Foundation. 1988 gründete sie mit Grzegorz Klaman das Laznia (Badehaus) Centre for Contemporary Art. Sie war dort Direktorin bis 2001. Ihre Ausstellungen zeichnen sich durch kulturelle, soziale, architektonische und institutionskritische Diskurse aus. Ihre Schriften und Aufsätze wurden veröffentlich im Aprio magzine, n.paradoxa, Art Journal sowie ArtKrush. Art Margins. Im Jahr 2005 erhielt sie den Jerzy Stajuda Award “for independent and uncompromising curatorial practice”. Ihre zahlreichen Ausstellungen waren bereits in Digital Art Lab in Holon in Israel (2008: Chosen) zu sehen, im Kunsthaus Dresden (2006: You won’t feel a thing: On Panic, Obsession, Rituality and Anaesthesia) und im SculptureCenter in New York (2003: Architectures of Gender) zu sehen. Sie hielt Vorträge an vielen Kunstinstitutionen und Universitäten, u. a. an der New School University, am Queens College (beide in New York) und an der New York University. Des Weiteren war sie Gastdozentin an der Akademie der Bildenden Künste in Mainz.Zur Zeit schreibt sie ihre Doktorarbeit zu einem kunsttheoretischen Thema am Goldsmiths College in London und an der Copenhagen Doctoral School.


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Vortrag Prof. Dr. Gottfried Boehm 14.07.2009
Ausstellungskatalog Balmoral km 500/2