Sur la Tapis

Sur le Tapis

Freitag, 25. November, 19.30 Uhr
Sur le Tapis
Sheila Barcik, Pierre-Yves Magerand, Cony Theis, Petra Warrass

Sur le tapis – zum zweiten Mal in diesem Jahr haben die ausstellenden Stipendiaten von Balmoral einen Titel gewählt, der einen Bezug zum Glücksspiel hat. Ihr Aufenthalt in Bad Ems, ein Vabanque Spiel? Sie legen die Karten auf den Tisch, lassen den Betrachter in ihr Spiel gucken und zeigen so, was ihnen während ihres Aufenthaltes in Bad Ems durch den Kopf ging.

Sheila Barcik hat während ihres zweiten Aufenthaltes in Balmoral die Ruhe genutzt, um mit großer Geduld ihre inneren Visionen — die sie bisher ausschließlich im Kleinformat auf Papier festhielt und seriell zu großen, anekdotischen Zyklen anordnete — auf großformatige Leinwände zu malen. Durch die Verselbständigung der einzelnen Motive erreicht das Autobiographische ihrer Papierarbeiten hier die Ebene des Allgemeingültigen. Ihre neuen Bilder sprechen mit großer Schlichtheit und Sensibilität von der Einsamkeit des Menschen und seines Kampfes ums Überleben.

Pierre-Yves Magerand, der in seinen von Leichtigkeit gekennzeichneten Installationen den Raum und unser Verhältnis dazu erkundet, hat in Bad Ems die Landschaft für sich entdeckt. In seinen Spaziergängen sammelte er Anschauungsmaterial und hielt den Veränderungsprozess der faulenden Blätter in einem Aquarellzyklus fest. Die Serie erhielt den Titel „Promenades intérieures“, also „Sparziergänge im Inneren“, womit er auf die dynamische Wechselwirkung zwischen der Beobachtung der Natur und der dadurch eingeleiteten Rückführung auf innere Bilder anspielt. Fragmente der Realität entwickeln skurrile Formen, die in die Intimsphäre des Gedächtnisses führen.

Cony Theis wurde hier vom Reichtum unserer Bibliothek beeindruckt und auch sie ließ sich zur Zeichnung verleiten. Ihre komplexen Bilder, die sich mit Portraits befassen - solche, die sie life skizziert und andere, die sie der Kunstgeschichte entnimmt – werden auf ihre Haut gezeichnet und gehen dabei eine Symbiose mit der eigenen Identität der Malerin ein. In den hier entstandenen Zeichnungen balancieren Zitate aus Goyas Desastres auf von Hunden begehrten Würsten, die vor allem eine formale Funktion im Bild einnehmen und die Spannung zwischen figurativ und abstrakt herstellen. Wichtig ist außerdem die Sensibilität des Trägermaterials, seine Transparenz und Durchlässigkeit, welche das Durchschimmern mehrerer Schichten ermöglichen. Es wölbt und wellt sich unter dem Einfluss der Wasserfarben und kräuselt sich bei dickerem Farbauftrag. Das Ganze ist ein Spiel mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen.


Petra Warrass befasst sich mit Verhaltensmustern, hauptsächlich im öffentlichen Raum. Dabei fotografiert sie aus dem Blickwinkel des Reporters, der Momentaufnahmen von Handlungsabläufen ins Bild einfriert. Irritierend auf den Betrachter wirken ihre Protagonisten, weil sie dem ursprünglichen Kontext entrissen sind und in ihren Bewegungsabläufen abstrahiert werden. Dadurch wirkt das Handeln klischeehaft und rätselhaft. Durch die Kontextverschiebung in einem anderen Spielraum verwandeln sich die Darsteller zu Skulpturen. Dabei verliert die Aktion an Eindeutigkeit und Lesbarkeit und die Handlung pendelt zwischen Hilfsbereitschaft und Kameradschaft oder Feindseligkeit und Aggression. In anderen Bildserien stellen Modelle Alltagssituationen nach, in denen Promis im Blickfeld der Kamera versuchen, möglichst vorteilhaft zu handeln. In den neuesten Arbeiten wird die Figur statisch in Szene gesetzt, als Skulptur, die selbst zum Handlungsraum für Kuscheltiere, welche ihre Identität verhüllen, wird.

Danièle Perrier


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TOD IN TEHERAN
Kunst live – Körper und Konsumverhalten