|
Gäste bestaunten (Kultur-)Sack
Vernissage im Laden Nr. 5: Parastou Forouhar startete ihre "eigene Safari"
BAD EMS. Viele Gäste kamen zum Laden Nr. 5 nach Bad Ems, um der Vernissage der Ausstellung "Safari" von Parastou Forouhar beizuwohnen. Mit Staunen betrachteten sie den großen Sack, gefüllt mit nicht sichtbaren Elementen, die die Identität eines Menschen in einer Kultur beeinflussen. Ballast oder Geschenk? Dieses Geheimnis bleibt im Inneren des "Kulturbeutels" verborgen.
Danièle Perrier, Geschäftsführerin des Künstlerhauses Schloss Balmoral, nutzte den Anlass, um einen neuen Gaststipendiaten vorzustellen: Didier Morin. Der Künstler, Filmemacher und Herausgeber der poetischen Künstlerzeitschrift "Mettray" will sich in Bad Ems vor allem mit dem Leben des französischen Künstlers Yves Klein befassen. (sm)
Die Ausstellung "Safari" im Laden Nr. 5 ist noch bis zum 3. Oktober zu sehen.
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 04.09.2004, Seite 15
|
|
|
Identität wird in Frage gestellt
Parastou Forouhar schafft neue Räume mit passend Nicht-Passendem
BAD EMS. Identität in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen - diesem Thema hat sich die Parastou Forouhar verschrieben. Die iranische Künstlerin, die seit 1991 in Deutschland lebt, gehört zu den Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral.
"Hier in Bad Ems kann ich mich richtig auf meine Arbeit konzentrieren", sagt sie. Und die Kurstadt hat die 42-Jährige inspiriert - insbesondere ein Tretboot in Form eines Schwans, das auf der Lahn im Einsatz ist. Die Idee, mich mit diesem Tier als Symbol, mit dessen unterschiedlichen Geschichten zu befassen, ist mir in Bad Ems gekommen", sagt die Künstlerin. Entstanden ist ein Bild, das den Schwan gemeinsam mit einer verschleierten Frau zeigt, ein Bild - erotisch und exotisch zugleich - das Spannung erzeugt. Und genau dies ist Parastou Forouhars Bestreben: Sie will mit ihren Werken Fragen aufwerfen.
"Ich schaffe Collagen aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Diese Stücke können nicht addiert werden", erklärt die Künstlerin. Das Zuordnen scheitert, die Elemente passen einfach nicht zueinander. Und das, obwohl beim ersten Hinschauen alles so harmonisch zu sein scheint. Parastou Forouhar nutzt diese Arbeitsweise vor allem, um Klischees zu entlarven. In Bezug auf das Foto mit dem Schwan sagt sie: "Ich betrachte mein eigenes Betrachtetsein." Doch was stimmt von dem Bild, das sich zum Beispiel Europäer von orientalischen Frauen machen?
Indem sie die unterschiedlichen Elemente, die nicht zusammenpassen, verbindet, kreiert Parastou Forouhar einen neuen Raum, der sich zwischen dem Blick der anderen und der eigenen Identität befindet. Ein neuer Raum, der zum Nachdenken anregt und Fragen aufwirft.
Auch der Name ihrer Ausstellung "Safari", die heute im Laden Nr. 5 in Bad Ems eröffnet wird, reiht sich in diesen Kontext ein. "Ich habe die Bedeutung des Begriffs einfach umgekehrt. Es handelt sich bei mir nicht um eine Entdeckungsreise in ein exotisches Land, sondern es ist meine Safari, der Umgang mit der eigenen Identität in einer fremden Umgebung", sagt sie. Dafür wird ein riesengroßer Sack mit einem Durchmesser von zwei Metern und einer Höhe von 2,40 Metern mitten in den Laden Nr. 5 gestellt. Genäht ist er aus Stoffen, aus denen Tschadors gefertigt werden, und aus religiösen Stoffen, die im Iran zum Beispiel für eine Trauerzeremonie verwendet werden. Innen ist der Sack mit unterschiedlichen Sachen gefüllt - keiner weiß jedoch, womit. "Die Erkenntnis schließt sich nicht", sagt Parastou Forouhar. Die Stoffe sind die Hülle, die Oberfläche. Sie spiegeln den Blick zurück, der auf sie geworfen wird. Oder anders ausgedrückt: Es ist die Identität, die vom Betrachter von außen auf das Objekt projiziert wird.
Rund zwei Monate hat die Künstlerin in Bad Ems gearbeitet, um diese Installationskunst zu präsentieren. "Es dauert immer eine gewisse Weile, bis sich eine Idee materialisiert. Ruhephasen und viel Ausprobieren sind ebenfalls notwendig", erklärt Parastou Forouhar. Silke Müller
Die Ausstellung "Safari" wird heute, 18.30 Uhr, eröffnet. Zu sehen ist sie bis Sonntag, 3. Oktober, im Laden Nr. 5 in den Kurkolonnaden in Bad Ems.
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 02.09.2004, Seite 12.
|
|