Oktober 2004

Kreative Nähte als Kunst bewundern

Kreative Nähte als Kunst bewundern

Stipendiaten haben eine Ausstellung organisiert

BAD EMS. Die Stipendiaten 2004 im Schloss Balmoral, das sind: Mohamed Abdulla, Diego Castro, Bea Emsbach, Parastou Forouhar, Gabriela Golder, Pfelder, Stefan Thiel und die Gaststipendiaten Didier Morin und Yunchul Kim. Sie kommen aus den Ländern Argentinien, Deutschland, Frankreich, Irak, Iran und Korea.

Ihre Ausdrucksmittel sind Fotographie, Installation, Malerei, Neue Medien, Scherenschnitt, Text, Video und Zeichnung. Bei dieser Beschreibung wird klar, das es ums Schloss Balmoral geht. Eine neu Ausstellung steht an und damit natürlich die Künstler, die elf Monate in Bad Ems leben und arbeiten, ganz im Mittelpunkt des Geschehens.

Ein bunter Fleckenteppich der Individualität wird unter dem Motto "Kleider machen Leute" präsentiert. Die Stipendiaten zeigen ihre Lieblingskleidung, doch nicht irgendeinen Fetzen Stoff, sondern die Nahtstelle ist dargestellt, der verbindende Faden, der die verschiedenen Teile zusammenfügt. Es ist also eine Art Abschlussausstellung, die die Stipendiaten dort auf die Beine gestellt haben. Die Eröffnung ist am Freitag, 5. November, um 19.30 Uhr. Bis zum 5. Dezember können die Arbeiten dann immer täglich von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.balmoral.de .


Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 30.10.2004, Seite 14.

"Balmoral baut..." auf der Art Cologne

"Balmoral baut..." auf der Art Cologne

Künstlerhaus präsentiert sich auf Deutschlands bedeutendster Kunstmesse - Förderkoje eingerichtet

BAD EMS/KÖLN. Das Künstlerhaus Schloss Balmoral präsentiert sich auf der Art Cologne, Deutschlands bedeutendster Kunstmesse, die von Donnerstag, 28. Oktober, bis Montag, 1. November, in Köln ihre Pforten öffnet. Unter dem Motto "Balmoral baut..." wird eine Förderkoje eingerichtet, in der Werke der aktuellen Stipendiaten zu sehen sind.

Mohamed Abdulla, Diego Castro, Bea Emsbach, Parastou Forouhar, Gabriela Golder, Pfelder und Stefan Thiel sowie die Gaststipendiaten Yunchul Kim und Didier Morin - jedem Künstler wird ein Forum gegeben. Darüber hinaus soll aber auch die Atmosphäre im Künstlerhaus den Messebesuchern nahe gebracht werden.

Leben im Schloss zeigen

Denn "Balmoral baut... um". Grund: Das Leben und Treiben im Schloss ändert sich ständig mit Bewohner- und Ausstellungswechsel. Dieses permanente Umbauen wollen die Stipendiaten dokumentieren, indem Werke von ihnen in zwei Intervallen ausgestellt werden. Bis Freitag, 29. Oktober, sind Fotos von Gabriela Golder, das Projekt "Street level Simplon 2003" von Pfelder sowie Videos von Diego Castro zu sehen.

Ab Samstag, 30. Oktober, werden den Messebesuchern C-Prints von Stefan Thiel, Zeichnungen von Bea Emsbach und ein Monitor als Skulptur von Yunchul Kim präsentiert. Darüber hinaus bringt Didier Morin seine Zeitschrift "Mettray" sowie Fotos zur Art Cologne mit.

Geschichte dokumentieren

Was bisher im Künstlerhaus in Bad Ems geleistet wurde und was dort entstanden ist, dokumentiert "Balmoral baut... an seiner Geschichte". In dem historischen Teil der Messepräsentation haben Besucher Gelegenheit, in die Geschichte der Einrichtung einzutauchen. Die Namen aller bisherigen Stipendiaten sowie Kataloge mit deren Werke sind allen zugänglich, die am Messestand vorbeischauen. Dabei offenbart sich ein Blick hinter die Kulissen, der einen Einblick in eine Art des Kunstschaffens gewährt, die sich vom freien Kunstmarkt unterscheidet. Außerdem erfährt der Betrachter viel Interessantes über die Künstlerpersönlichkeiten aus aller Welt, die eine Zeit lang in ihrem Leben in Bad Ems sind, um dort zu arbeiten.

Doch der Aufenthalt in der Kurstadt ist nur ein Element der Förderung. Damit sich auch nach dem Stipendiat etwas ändert, werden für die Künstler noch während sie in Bad Ems verweilen neue Kontakte geknüpft: "Balmoral baut... Aussicht für Künstler".


Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 23.10.2004, Seite 14

"Neuer Minister muss her"

"Neuer Minister muss her"

Das Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems soll umstrukturiert werden.

Die Landesregierung beabsichtigt, das Künstlerhaus Schloss Balmoral zu kippen. Diese Regierung hatte zuletzt in Bad Ems nur spärlich Fortune. Die Umgehungsstraße dämmert vor sich hin, die Senioren-Universität in dem Badehaus mit den vier Türmen ist eingeschlafen, und das Kongresszentrum am Bahnhof wurde nie wach geküsst. Ganz groß dagegen das Schloss Balmoral, international bekannt und von Künstlern als Stipendium für jeweils ein Jahr hoch begehrt. Wäre es nicht geschickter, einen Flop aufzugeben statt ein Erfolgsmodell? Die Veranstaltungen im Balmoral sind ein Magnet. Medizinprofessoren aus Mainz reisten an, um in Bad Ems moderne Kunst auf höchstem Niveau von der neuen Generation internationaler Künstler zu erfahren. Die Picassos der Zukunft werden allerdings Bad Ems meiden, wenn es per Erlass zu einer Klitsche herabgestuft werden sollte. Wer ist eigentlich Kultusminister im Land? Im Balmoral hatte ich nach Rose Götte keinen mehr gesehen ! Hätten wir noch die Kunst sinnige Rose Götte als Kultusministerin, würde Kultur gepflegt und nicht vertrieben. Wenn ein Bürger sich was wünschen darf, ich wünschte uns allen wieder eine engagierte und sachverständige Kultusministerin.

Dr. med. Erich Krausbeck, Bad Ems

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 14.10.2004, Seite 14.

Balmoral mit neuem Konzept

Balmoral mit neuem Konzept

Die geplante Neuausrich tung des Künstlerhauses Schloss Balmoral in Bad Ems (unsere Zeitung berichtete auf der Kulturseite) stößt im Rhein-Lahn-Kreis auf ein verhalten positives Echo. In einem Telefongespräch hat Landrat Günter Kern die Situation mit Kulturminister Jürgen Zöllner erörtert. Demnach wird das Land die neue Konzeption Anfang November vorstellen. Die Zielrichtung: Das Land will seine Unterhaltungskosten halbieren, und künftig werden im Schloss Balmoral bevorzugt ein bis zwei aus Rheinland-Pfalz stammende Stipendiaten gefördert. Der Bad Emser Stadtbürgermeister Ottmar Canz gestern im Kreisausschuss: "Damit können wir leben, der Bestand ist gewährleistet."


Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 12.10.2004, Seite 15.

Emsbach kreiert eigene Frauen

Emsbach kreiert eigene Frauen

Stipendiatin zeigt Werke aus ihrem Bilderkosmos - Zeichnungen in Rot

BAD EMS. Es ist Tinte, mit denen Bea Emsbach, Stipendiatin im Künstlerhaus Schloss Balmoral, ihre Zeichnungen anfertigt. Die Farbe: Rot. Dabei handelt es sich aber nicht um herkömmliche Tinte, mit denen Lehrer Schularbeiten korrigieren. Das Rot, das Emsbach für ihr Werk verwendet, ist einzigartig.

"Ich mische mir die Farbe aus verschiedenen Tinten selbst zusammen", sagt sie. Auf die Frage, warum sie immer mit Rot-Tönen arbeitet, antwortet sie: "Ich arbeite gerne mit Ambivalenzen. Rot ist eine Farbe, die nach außen tritt, die extrovertiert und psychologisch stark besetzt ist. Die Zeichnung hingegen ist ein introvertiertes Medium." Auch in ihren Werken verbindet sie verschiedene Elemente miteinander. Die Linie in der Zeichnung ist zeitlos. Emsbach kombiniert sie auf vielfältige Weise, schafft so ständig etwas Neues, das aber dennoch miteinander korrespondiert und irgendwie zusammengehört.

Naturwissenschaft, die Körperdarstellung in der Renaissance und Einflüsse aus Science-Fiction-Comics sind Themen, die in die Zeichnungen der Künstlerin einfließen. "Meine Arbeiten sind wie ein immer größer werdendes Bilderbuch", beschreibt Emsbach den Kosmos, den sie selbst geschaffen hat. Darüber hinaus findet Emsbach aber auch in Bad Ems Inspiration - die Natur. "Jeden Morgen gehe ich zuerst im Wald spazieren", sagt sie. Die natürlichen Elemente verbinden sich im Werk mit wissenschaftlichen Komponenten wie Schaltkästen oder Schläuchen oder sind es Adern? Es entstehen Darstellungen zwischen Sehnsucht, Horror, Schönheit und Angst.

In der Kurstadt hat sie auch an den Objekten gearbeitet, die ab heute im Laden Nr. 5 in den Kurkolonnaden ausgestellt werden. "Fremde Frauen" heißt die Ausstellung. Inspiriert für die Arbeiten wurde Emsbach von Fotos, die in den 30er Jahren in Afrika aufgenommen wurden. Der Künstlerin geht es aber nicht um den sozialkritischen Aspekt in den Darstellungen, sondern um die abgebildeten Frauen an sich. Ausgehend von den Vorlagen hat sie eine ganz eigene Anthropologie vorgenommen, ihre eigenen fremden Frauen erfunden.

Darüber hinaus werden im Laden Nr. 5 auch Exponate aus Buchsbaumblättern zu sehen sein. Eine wahre Feinarbeit und etwas Besonderes, denn mit diesen Blättern etwas zu kreieren, ist quasi nur im Herbst möglich. "Es spiegelt die Zerbrechlichkeit dieses Materials wider", sagt Emsbach. Silke Müller

Die Ausstellung "Fremde Frauen" ist von Freitag, 8. Oktober, bis Sonntag, 7. November, im Laden Nr. 5 zu sehen.

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 07.10.2004, Seite 12.

Was wird aus Schloss Balmoral?

Was wird aus Schloss Balmoral?

Ministerium arbeitet an einer Reform des Bad Emser Künstlerhauses - Kritiker befürchten Regionalisierung der Kunst

Hoch droben über Bad Ems thront das Schloss Balmoral. Dort sind zurzeit noch Stipendiaten aller Herren Länder zu Hause. Doch dunkle Spar-Wolken ziehen über dem Künstlerhaus auf. Das jedenfalls befürchten Förderer und Freunde der Kunsteinrichtung, und auch das rheinland-pfälzische Kulturministerium bestätigt, dass an einer Umstrukturierung gearbeitet wird.

BAD EMS "Wir teilen mit, dass die Balmoral-Stipendien auf Veranlassung des Ministeriums für Wirtschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vollkommen neu strukturiert werden und deshalb keine Ausschreibung stattfinden kann." So steht es auf der Internetseite des Künstlerhauses Schloss Balmoral. Was einfach klingt, könnte weitreichende Folgen haben: Der Sparzwang des Landes hat nun auch die Bildende Kunst erreicht, denn im Balmoral in Bad Ems werden junge Künstler aus verschiedenen Ländern gefördert. Der avantgardistische Nachwuchs bekommt eine Wohnung und ein Atelier in dem ehemaligen russischen Landsitz, zusätzlich ein "Gehalt" von etwas mehr als 1000 Euro im Monat. Sieben zehnmonatige Stipendien an zeitgenössische Künstler wurden von der Einrichtung der "Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur" bisher alljährlich vergeben. Das wird sich ändern, bestätigt auch das Kulturministerium. Pressesprecher Michael Au: "Es ist richtig, dass das Kulturministerium ein Konzept erarbeitet, mit dem wir bildende Künstler besser fördern möchten, und zwar so, dass die eingesetzten Mittel den Künstlern zugute kommen und nicht etwa überproportional in den administrativen Bereich fließen."

Was zunächst positiv klingt, lässt in weiten Teilen der Kunstszene im nördlichen Rheinland-Pfalz große Sorge aufkommen. Befürchtungen werden laut, die das Ministerium derzeit weder bestätigt noch dementiert. "Sobald eine Entscheidung gefallen ist, werden wir die Öffentlichkeit informieren", teilt Au mit.

Doch einiges ist anscheinend aus dem Ministerium Zöllner "durchgesickert". Die Vorsitzende des Freundeskreises vom Balmoral, Elisabeth Sauer-Kirchlinne, fürchtet eine "Regionalisierung der Kunst". Stützen kann sie sich dabei auf einige recht konkrete Aussagen, die die Runde machen. So sollen etwa nur noch rheinland-pfälzische Künstler ein Stipendium in Bad Ems bekommen, und auch die bisher übliche Residenzpflicht soll entfallen.

"Balmoral würde dann nur noch verwalten, künstlerische Impulse fallen komplett weg", prophezeit Sauer-Kirchlinne. Internationalität wäre dann nicht mehr gegeben, dabei habe das Balmoral in der Szene einen hervorragenden Ruf. "Man hat in Mainz einfach nicht den Willen, eine international tätige Institution zu halten", fürchtet die Vorsitzende des Förderkreises.

Ein Blick auf die jetzigen Stipendiaten zeigt, was Internationalität bedeutet: Mohamed Abdulla ist gebürtiger Iraker, Parastou Forouhar kommt aus dem Iran, und Gabriela Golders Heimatland ist Argentinien. Sie alle seien eine Bereicherung und damit eine Förderung der rheinland-pfälzischen Kunstszene, glaubt Elisabeth Sauer-Kirchlinne, die sich übrigens nicht grundsätzlich gegen eine Reform sträubt.

"Das Geld ist knapp, da muss was getan werden", räumt sie ein. Und dennoch gibt es Kritik am Ministerium. "Wir sind bereit, uns zu engagieren, auch finanziell", sagt Sauer-Kirchlinne. Daher wolle der Freundeskreis auch in die Entscheidungsfindung eingebunden werden.

Einen Vorstoß haben Elisabeth Sauer-Kirchlinne und ihre Mitstreiter schon gemacht. Schriftlich wurden sie bei Staatssekretär Roland Härtel vorstellig, bisher ohne jede Reaktion. "Es würde uns die Arbeit erleichtern, wenn wir die grundlegende Unterstützung des Ministeriums hätten", stellt Sauer-Kirchlinne bitter fest. "Wir vermissen den ideellen Rückhalt".

Es liegt also einiges im Argen, was das Künstlerhaus in Bad Ems betrifft. Ob die aufziehenden Wolken schließlich ein heftiges Gewitter bringen oder nur einen lauen Herbstregen bleibt abzuwarten. Im November will Minister Zöllner seine Reform verkünden.

Marco Pecht

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 05.10.2004, Seite 13.


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