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November 2004 |
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Stipendiaten lasen aus der "Geografie" |
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Stipendiaten lasen aus der "Geografie"
Didier Morin stellte sein Werk über Jean Genet vor
BAD EMS. "Les semelles d´or. Le voyage de Jean Genet" (auf Deutsch: "Die goldenen Sohlen. Jean Genets Reise") heißt das Werk des Balmoral-Gaststipendiaten Didier Morin, das im Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems vorgestellt wurde.
Bei dem Dokument handelt es sich um eine "Geografie": Der Künstler begab sich an die Orte, an denen der französische Lyriker und Dramatiker seinerzeit Halt gemacht hat. Morin geht es aber nicht um den puren biografischen Aspekt, sondern darum, eine Beziehung zwischen Genet, den Stationen und ihm selbst zu erarbeiten. Die Auszüge wurden in verschiedenen Sprachen präsentiert.
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 30.11.2004, Seite 21.
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Balmoral: Reise eines Lebens |
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Balmoral: Reise eines Lebens
BAD EMS. "Les Semelles d´Or" (auf Deutsch "Die goldenen Sohlen") - ein Künstlerbuch zu Fean Genet steht am Samstag, 27. November, im Schloss Balmoral im Mittelpunkt. Der Gaststipendiat Didier Morin reist in diesem Buch durch die entscheidenden Etappen in Genets Leben. Neben Morin, der auf Französisch liest, werden andere Stipendiaten das Werk auf Arabisch, Spanisch, Englisch und Deutsch vortragen. Beginn ist um19.30 Uhr im Schloss Balmoral.
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 25.11.2004, Seite 15
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Pianist Monden packte Seele der Musik |
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Pianist Monden packte Seele der Musik
Zeitgenössische Werke sind faszinierend, aber gewöhnungsbedürftig - Klavierabend im Balmoral
BAD EMS. Mit zeitgenössischen Werken wurde das Publikum bei einem Klavierkonzert im Künstlerhaus Schloss Balmoral konfrontiert. Vor gut besetzten Reihen begrüßte Dr. Danièle Perrier den Künstler Hugo Monden - den Interpreten, der in diesem Jahr bereits mit einem Debussy-Abend im "Balmoral" begeistert hatte.
Begeisterung bekundeten die Zuhörer auch an diesem Abend, nicht zuletzt angesichts Mondens großartiger pianistischer Leistung. Bewundernswert die Interpretation von "Musica Callada", ein abendfüllendes Werk des Katalanen Federico Mompou. Vom ersten Stück an Interesse weckend, dann, in der Folge, immense Hörbereitschaft fordernd: Mompous Musica Callada ist der Versuch, in 28 meist langsamen, eher leise gehaltenen Stücken "die Idee einer Musik zum Ausdruck zu bringen, die die Stimme des Schweigens wäre". Mit großem Klangsinn spielte Monden die 28 Versionen des "Schweigens", konturiert, differenziert, mit höchster Klangfarbennuancierung. Seine Interpretation kehrte rücksichtslos die radikalen, traditionsbrechenden Elemente in den Vordergrund, das, was an diesem Werk so neu und ungeheuerlich war.
Bestechend die dissonant geschärfte Harmonik in Akkorden, eigentümlich sensibel die Klangsprache von Versenkung und Meditation - Grundstimmung der vielteiligen Komposition. Dabei führten ungedämpfte Resonanzen am Ende der Stücke oftmals ein lange nachklingendes Eigenleben. Für das ihm gewidmete Werk "Cantos 1966" von Carl Johnson holte Hugo Monden aus dem Flügel, was in ihm steckte. Er ging gleichsam tief in die Tasten und brachte so einen Ton hervor von stärkstem Halt und Festigkeit. Dabei gab es schmerzende Schnittklänge, die wie eine Explosion wirkten, so, als packe der Pianist die Seele der Musik. Karl Haxel
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 23.11.2004, Seite 19.
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Die Kunst lässt die Kurstadt erstrahlen |
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Die Kunst lässt die Kurstadt erstrahlen
Balmoral Stipendiat verarbeitet ein Jahr an der Lahn - "Damals" trifft "Jetzt"
Passanten sind erstaunt: Was ist los in Bad Ems? Überall leuchtet es, leer stehende Häuser scheinen wieder belebt. Die Kunst ist mal wieder in der Kurstadt und verändert die Ansicht auf die Lahnstadt auf ganz eigenen Weise.
BAD EMS. "Zum Wohl" hieß es zur Begrüßung der knapp 50 Kunstinteressierten, die am vergangenen Freitag den Weg auf den Bahnhofsvorplatz in Bad Ems gefunden hatten. Eröffnet wurde das internationale Kunstprojekt "Voluptuous Bad Ems?" (voluptuous: "sich dem sinnlichen Genuss hingeben") das von Pfelder, einem der diesjährigen Stipendianten des Künstlerhauses Schloss Balmoral, initiiert wurde.
Eine ganze Reihe von Projekten dieser Art hat der Hamburger Künstler bereits auf den Weg gebracht, die Idee zu "Voluptuous Bad Ems?" kam ihm in der Zeit seines Aufenthaltes in der Kurstadt. "Wenn man mehr als ein Jahr hier lebt, lernt man die Stadt und ihre Geschichte immer besser kennen", sagt Pfelder, "den Kontrast zwischen legendärer Historie und der heutigen, indifferenten Situation der Kurstadt, wollte ich in diesem Projekt zum Ausdruck bringen."
Pfelder begibt sich damit in die Zeit des 19 Jahrhunderts zurück. Bad Ems war eine Kurstadt mit Weltruhm, die von einer Vielzahl berühmter Gäste des Zaren- und Kaiserhofes besucht wurde. Die internationalen Hotels von damals stehen heute leer, nur noch ihre Namen prangen traurig an der bröckelnden Fassade. Genau hier, so Pfelder, wollen die vier Künstler des Projekts ansetzen. Mohamed Abdulla aus dem Irak, Stefan Lundgren aus Schweden sowie Jan Phillip Scheibe und Pfelder aus Deutschland beschäftigen sich mit der heutigen Situation von Bad Ems. Sie wollen mit ihren Installationen die vorgefundene Atmosphäre, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Stadt aufzeigen. Unterstützung findet dieses Projekt auch von zwei in Künstlerkreisen bekannten Persönlichkeiten. Mark Gisbourne, Kunsthistoriker aus London, begleitete die Eröffnungsfeier ebenso wie der Theaterwissenschaftler Peter Cripps aus Berlin.
Nach Schnaps und leckeren russischen Spezialitäten machten sich die Gäste auf eine knapp zweistündige Tour durch Bad Ems auf. Immer folgten sie dabei einem großen Schild, das mit dem Begriff "Unverzagt" nicht nur das "Lebensgefühl" des Projektes zum Ausdruck bringen sollte, sondern eine weitere historische Bedeutung hat. Unverzagt, so hieß der ehemalige und letzte Besitzer des Hotels Balzer an der Villenpromenade. Heute sind die Fenster des Hauses meist verrammelt, die Fassade kann den Verfall der vergangenen Jahrzehnte nicht verbergen. Pfelder macht auf diesen Verfall aufmerksam und schenkt dem ehemaligen Hotel mit einer Lichtinstallation neues Leben. Warm-gelbe Leuchtstoffröhren erleuchten das Haus, auf dem Dach strahlen die Buchstaben "Balz" auf die begeisterten Zuschauer herunter. "Ich hauche dem Hotel wieder Leben ein", sagt Pfelder, "jeden Abend leuchtet die Installation und weist auf längst vergangene Zeiten hin", fügt er hinzu. Weiter geht die Tour und führt die Gäste, die selbst bei eisigen Temperaturen freudig über Kunst plaudern, zur Lahn. Vorbei an pflanzenähnlichen Skulpturen des irakischen Künstlers Mohamed Abdulla, die die Ornamentik von damals aus den Innenräumen nach draußen an die Hauswand bringen sollen, geht es weiter in den Kurpark. Dort hat Jan Phillip Scheibe seine Ideen unter dem Stichwort "wandeln/allerort" verwirklicht. Im Park arbeitet der Künstler mit Lichtinstallationen und mehrdeutigen Begrifflichkeiten. Groß zieht sich ein Plakat mit dem Begriff "Wandeln" über die Allee des Kurparks, die Kugellaternen leuchten nicht wie sonst in gelbem Licht, sondern sind mit roten Leuchtmitteln ausgestattet. Neu definiert werden sollen die Orte, an denen Scheibes Installationen zu sehen sind. An einer zubetonierten Heilquelle prangt der Begriff "Quellen", an einer Hausfassade in der Nähe des Bahnhofs steht in großen Buchstaben "Glanz". Auch Stefan Lundgren verarbeitet seine Eindrücke von der Kurstadt Bad Ems. In der Römerstraße können die Gäste einen Videofilm mit russischen Babuschka-Puppen, projeziert auf eine riesige Installation aus Puppenhäusern, ansehen. Sein Projekt steht unter dem Motto "russian flower". "Ich bin begeistert, wie sehr das Projekt die Kunstinteressierten anzieht", sagt Ursula Klein aus Dachsenhausen. "Besonders toll finde ich, dass sich ,Voluptuous Bad Ems?" über die ganze Stadt verteilt, überall gibt es was zu sehen und entdecken", sagt sie.
Große Begeisterung ist während des Rundganges zu spüren, dennoch freuten sich die Gäste auch sehr auf ein warmes Plätzchen im Schützenhof. Dort durften die Tourteilnehmer ein original überliefertes Kaisermenü, zubereitet von Bernhard Thome, genießen, das nicht nur in den original Töpfen und Pfannen von damals, sondern sogar auf Schützenhofgeschirr gereicht wurde. Sichtlich gut gefallen hat es den Besuchern, die den Abend mit "voluptuous music" von Diego Castro ausklingen ließen. Kunstinteressierte, die nun auf den Geschmack gekommen sind und sich die Installationen aus nächster Nähe anschauen wollen, haben noch bis zum 12. Dezember die Gelegenheit dazu. Jenny Bender
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 22.11.2004, Seite 12.
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Wiegenlieder im Laden Nr. 5 |
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Wiegenlieder im Laden Nr. 5
Gabriela Golder beschenkt die Bad Emser mit intensiven Gefühlen
BAD EMS. Konflikte politischer oder sozialer Natur, die schockieren und zum Nachdenken bringen sollen - diese Inhalte finden sich normalerweise in den Installations-Arbeiten der Künstlerin und Balmoral-Stipendiatin Gabriela Golder wieder. Bedingungen, unter denen Menschen leben, die Art und Weise wie sie sich verhalten, sind Themen, denen sich die Argentinierin, die in Buenos Aires zu Hause ist, verschrieben hat.
"Ich beschäftige mich mit den Dingen des Lebens", sagt die 33-Jährige. Für ihre Ausstellung in Bad Ems, die heute Abend im Laden Nr. 5 eröffnet wird, hat sie sich etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. "Canción de noche" (auf Deutsch "Schlaf- oder Wiegenlied") heißt die Exposition, die ein Geschenk von Bad Emsern an Bad Emser sein soll. Denn jedem, der nun am Laden Nr. 5 vorbeikommt, soll die Installation das Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Menschen aus unterschiedlichen Ländern, darunter auch eine Reihe von Kurstädtern - allen voran Stadtchef Ottmar Canz - singen Wiegenlieder in vielen Sprachen, und hinter einem Fenster rieseln sanft Schneeflocken nieder. "Ich möchte die Bad Emser mit meiner Arbeit in ihrem Innersten berühren", sagt die Künstlerin und fügt hinzu: "Es ist interessant zu beobachten, dass keiner, der ein Wiegenlied hört, gleichgültig bleibt."
Die Menschen gehen in sich, erinnern sich an ihre Kindheit, Zugezogene auch an ihre Heimat und gegebenenfalls an ihre Muttersprache. In Golders Werken spielen die Beziehung unter den Menschen, die Erinnerung und die Kindheit eine wichtige Rolle. "Mir geht es darum, herauszufinden, wie das Individuum konstruiert ist, wie sich das Ich verfestigt", sagt die Künstlerin.
Die Exposition soll etwas Ruhiges und Warmes bringen, gleichzeitig soll die Musik auch aufwecken. "Bad Ems ist so ruhig, die Kultur im Vergleich zu meinem Land anders", sagt die Argentinierin. Und genau dies brachte sie auf die Idee, eine solche Installations-Kunst zu zeigen.
"Da ich kein Deutsch kann, ist es für mich schwer, die sozialen Konflikte zu fühlen. Durch meine Arbeit kann ich in die hiesige Gesellschaft eintauchen", erklärt die Künstlerin und fügt hinzu: "Jeder kann singen. Und es war schön, die Menschen zum Singen nach Balmoral einzuladen." Seit Juli war Golder mit den Vorbereitungen für die Ausstellung "Canción de noche" beschäftigt. "Die Arbeit ist komplex. Zunächst ging es darum, die Menschen singen zu lassen, danach mussten die einzelnen Beiträge zusammengebracht werden", erklärt sie.
Die Künstlerin hat noch weitere Projekte mit den Bad Emsern umgesetzt. Am "Girls-Day" behandelte sie mit Mädchen per Video das Thema "Identität des Fremdseins", und derzeit arbeitet sie mit Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums an einem Buch. Noch bis Dezember bleibt Golder in Bad Ems, dann kehrt sie nach Argentinien zurück, um dort an der Universität als Dozentin für Video und neue Technologien zu arbeiten. Silke Müller
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 11.11.2004, Seite 12.
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Schloss Balmoral wandelt sich |
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Schloss Balmoral wandelt sich
Künstlerhaus in Bad Ems wird umstrukturiert - Chance oder Ausverkauf?
RHEIN-LAHN. Ein ereignisreicher Tag liegt hinter den Verantwortlichen im Schloss Balmoral in Bad Ems. Gestern hat das rheinland-pfälzische Kulturministerium die Umstrukturierung des Künstlerhauses beschlossen. Das Ergebnis: Von Bad Ems aus werden alle Stipendien verwaltet, die die Landes-stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur vergibt. Internationale Künstler werden allerdings keinen Einzug mehr in den ehemaligen russischen Landsitz in der Kreisstadt halten. Dem Balmoral stehen zudem 250 000 Euro weniger zur Verfügung.
Von den neuen Stipendien werden sechs für drei Monate im Künstlerhaus Schloss Balmoral vergeben und ein Jahresstipendium, das keine Anwesenheit voraussetzt - dies ist noch bei den sieben jetzigen Künstlern aus allen Herren Länder der Fall. Landrat Günter Kern sieht in diesem Schritt einen Neuanfang. Kreis, Stadt Bad Ems und Verbandsgemeinde sind für die Immobilie als Zweckverband zuständig. "Ich bin froh, dass wir keine Schließung hinnehmen müssen", zeigt sich der Kreischef, der schon im Vorfeld in engem Kontakt mit dem Ministerium stand, erleichtert. "Wir müssen jetzt daran arbeiten, dass das Künstlerhaus in die Region eingebunden wird", so Kern, der in der neuen Struktur eine Chance für die Kultur im Rhein-Lahn-Kreis sieht.
Ähnlich bewertet auch der Bad Emser Stadtbürgermeister Ottmar Canz die Situation. "Wir können mit der neuen Konzeption leben, weil wir wissen, wie knapp die Gelder auch beim Land sind. Außerdem haben die Stipendiaten aus Rheinland-Pfalz ebenfalls Unterstützung verdient", findet Canz. Hätte man das Balmoral komplett geschlossen, wäre das tragisch für die Region gewesen, so Canz. Ganz anders bewertet Elisabeth Sauer-Kirchlinne vom Freundeskreis des Balmoral die Lage. "Es ist genau das eingetreten, was wir befürchtet haben: Der Ausverkauf des Balmoral wird als positiv dargestellt." Die Befruchtung und damit auch lokale Förderung durch den Diskurs von internationalen, nationalen und regionalen renommierten Künstlern falle nun weg. "Das Künstlerhaus wird demontiert", zeigt sich Sauer-Kirchlinne wütend und enttäuscht von der Reform.
"Ich kann verstehen, dass die Menschen in Bad Ems fragen, warum sollen wir Balmoral unterstützen? Es fehlt der Dialog zwischen Künstlern und Einheimischen, und genau dieser ist sehr wichtig. Von der Politik haben wir bisher aber keine Unterstützung bekommen", äußert sich eine der jetzigen Stipendiaten, Gabriela Golder, kritisch. Dem schließt sich der grüne Bundestagsabgeordnete Josef Winkler, Gründungsmitglied des Balmoral Freundeskreises an. "Es wird nun keine Qualitätssteigerung mehr geben", fürchtet er und betont den international guten Ruf des Künstlerhauses. "Es ist schon eine dramatische Entwicklung", bedauert Winkler.
"Das Künstlerhaus bleibt unverändert eine Stätte der Begegnung, des Wohnens, Lebens und Arbeitens von Künstlern, glaubt hingegen Kulturstaatssekretär Roland Härtel. Und obwohl die neue Aufgabe des Balmorals weniger Personal benötige, werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Jedem Mitarbeiter werde eine andere Stelle angeboten, so Härtel. Marco Pecht
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 09.11.2004, Seite 17.
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"Ein unheimlicher Kulturaustausch" |
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"Ein unheimlicher Kulturaustausch"
Jahresendausstellung im Künstlerhaus Schloss Balmoral - Perrier: Die Beziehungen zwischen den Stipendiaten haben sich sehr verlebendigt
Viele Autos zu Füßen des Künstlerhauses Schloss Balmoral kündigten am Freitagabend eine Vielzahl illustrer Gäste an, die sich die Jahresendausstellung der Stipendianten des Hauses nicht entgehen lassen wollten. Insgesamt neun Stipendianten stellten ihre über das Jahr gefertigten Kunstwerke aus.
BAD EMS. Die neun Stipendiaten des Künstlerhauses Schlosss Balmoral griffen innerhalb des vergangenen Jahres nicht unbedingt nur auf das alte Handwerkszeug eines Künstlers zurück, vielfach arbeiteten die jungen Kunstbegeisterten mit Video- und Toninstallationen und Fotokopien.
Begrüßt wurden die Gäste zunächst von Dr. Danièle Perrier und Prof. Dr. Klaus Gallwitz. Zu Anfang der Eröffnungsrede gab Perrier einen kurzen Überblick über das Schaffen und die Projekte des vergangenen Jahres. Neben Ausstellungen in Berlin und auf der Art-Cologne in Köln berichtete Perrier vor allem vom "Girls-day", an dem Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums Bad Ems zu Besuch kamen und zum Thema "Identität des Fremdseins" per Video Stellung nahmen. Ein Projekt, das vor allem von Parastou Forouhar und Bea Emsbach begleitet wurde.
In den Darstellungen der iranischen Künstlerin Parastou Farouhar geht es vor allem um die Stellung der Frau in der Gesellschaft des Iran, bedrückend gezeigt mit Verbotsschildern auf der ganzen Ausstellungsfläche. "Die Tapete hat uns am meisten bewegt", sagten Annegret Werner-Scholz und Katrin Pohlmann. Gemeint ist damit ein Ausstellungsstück von Farouhar, auf dem in erschreckender Deutlichkeit der gewaltsame und brutale Umgang eines iranischen Mannes mit seiner Frau gezeigt wird. "Es entsteht ein unheimlicher Kulturaustausch", sagte Werner-Scholz, "die Künstler zeigen uns etwas, was wir sonst nie hätten erfahren können", fügte sie hinzu.
Ähnliches machte auch Prof. Dr. Gallwitz in seiner Rede deutlich. Vor allem stellte er den Zeitfaktor der Kunst in den Vordergrund. "Das Vorher und Nachher, egal in welcher Form, wollen unsere Stipendianten zeigen", sagte Gallwitz. Am Beispiel eines Eichhörnchens, das immer wieder seine Nüsse versteckt und sie später nicht mehr findet, machte er klar, dass es an den Rezipienten liegt, die versteckten Botschaften eines Künstlers zu finden und zu erfahren. Zum Schluss seiner Rede erfreute er sich vor allem an der Tatsache, dass seine Zuhörer auf der großen Treppe Platz genommen hatten. "So ist es richtig, das Publikum auf der Treppe, die Kunst in den Räumen", sagte Gallwitz scherzend.
Zum neunten Mal traf man sich zur Jahresendausstellung im Schloss Balmoral, und Dr. Perrier sieht eine große Entwicklung im Vergleich zu den vergangenen Jahren. "Die Beziehungen zwischen den Stipendianten haben sich sehr verlebendigt", sagte Perrier stolz. Froh ist sie auch über die neuen Möglichkeiten künstlerischer Darstellungen. "Die Einbeziehung neuer Medien eröffnet viele neue Möglichkeiten, so können inhaltliche Akzente anders und oftmals besser dargestellt werden", so Perrier.
Neben einem erwähnenswerten Buffett waren es aber vor allem die Gespräche mit den Künstlern, die die Gäste lange bleiben ließen. Auf der Treppe fanden sich viele Besucher zu einem interessanten Kunstplausch mit den Stipendiaten ein und blieben noch eine ganze Weile, um die gelungene Atmosphäre des Abends zu genießen. Jennifer Bender Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 08.11.2004, Seite 12.
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Urlaubsfilme in der Badewanne |
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Urlaubsfilme in der Badewanne
Jahresausstellung der Stipendiaten 2004 im Künstlerhaus Schloss Balmoral - Konfrontationen mit irritierender Moderne
Am Freitag eröffnete das Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems seine Jahresausstellung. Es dürfte dies die letzte von internationalem Zuschnitt sein, denn am Montag stellt das Mainzer Kulturministerium Einzelheiten einer seit langem erwarteten Neukonzeptionierung für Balmoral vor. Bekannt wurde bereits, dass künftighin nicht mehr Stipendiaten aus aller Welt ein zeitweises Arbeitsdomizil geboten wird, sondern vorwiegend Künstler aus Rheinland-Pfalz gefördert werden sollen.
BAD EMS. Begegnung mit der Kunst selbst - da hat, wenigestens für den Moment, die Politik zurückzutreten. Ein Jahr lang haben sieben Stipendiaten und zwei Gäste bei freier Kost und Logis nebst passablem Taschengeld diskutiert, kreiert, gewirkt oder gewerkelt. Wie auf Schloss Balmoral üblich, wird zum Ende des Stipendiatenjahres mit einer Werkausstellung künstlerische Bilanz gezogen. Der Ausstellungsbesuch ist eine Konfrontation mit aktueller Moderne. Fast alle Arbeiten sind für das in Sachen Avantgarde ungübte Auge irritierend, befremdlich, zumindest ungewöhnlich.
Die ebenso traditionelle wie häufig auf den Holzweg führende Frage an Kunst, "was will der Künstler mir sagen?", sie lässt sich bei den kleinen Gebot s- und Verbotsschildern der Iranerin Parastou Forouhar noch leicht beantworten. Frauen im Tschador, die hier vor dem Mann knien müssen, dort für den Notfall in den Keller gewiesen werden, statt wie der Mann zum Notausgang ins Freie - die Künstlerin übersetzt die Lage der Frauen ihrer Heimat in hiesige Alltagssymbolik. Ein unmissverständlicher Protest. Dessen Kunstcharakter resultiert mehr aus der Idee für Inhalt und Form als aus den Anforderungen an die arbeitstechnische Umsetzung.
Dies gilt für eine ganze Reihe von Werken: Der künstlerische Akt besteht in der Idee, in der Vorstellung von der späteren Wirkung und ihrer schrittweisen Erprobung; die schließliche Umsetzung ist dann oft einfache Handarbeit. Wie bei Pfelders auf den Kopf gestellten giftgrünen Regen(oder Müll-) tonnen, auf denen ein grellgelber Flaschenhalter thront, als wär´s ein künstliches Tannenbäumchen. Das ganz und gar aus Kunststoff bestehende Ensemble wird von zwei stechend blendenden Scheinwerfern ausgeleuchtet: fröhliche Weihnacht 2004! Ob der deutsche Künstler das meint, weiß der Betrachter nicht. Er nimmt sich die Freiheit, sich inspirieren zu lassen, das eigene Hirn und das eigene Herz sprechen zu lassen.
Dass Kunst vor allem Anregung zu eigenständigem Denken und Empfinden bedeutet, wird auch an den filmisch geprägten Arbeiten der Argentinierin Gabriela Golder spürbar. Über den Boden einer leeren Sitzbadewanne flimmern Szenen aus Superacht-Urlaubsfilmen von Unterwasserausflügen. An anderer Stelle projiziert sie auf die beiden Wandflächen einer Zimmerecke verfremdete Mehrfachüberblendungen einer ganz simplen Filmsequenz: Frau schwimmt im Wasser an Kamera vorbei. Ergebnis: Die Schwimmerin ist kaum noch zu erahnen, dafür greift ein ruhiges, beruhigendes Gleichmaß von wellenförmigen Bewegungen aus Licht und Schatten, Blau und Rot Raum. Wobei in Abständen das Rot blutig die gesamte Fläche überströmt - und den eben beruhigten Betrachter mit Beklemmung erfüllt.
Derartiges schauend, darf jeder Ausstellungsbesucher, überall und immer, fragen "was meint das?", sagen "das verstehe ich nicht", ausrufen "so ein Käse!". Diese Freiheit kennt in der Welt der Kunst nur eine einzige Bedingung: Der Betrachter muss sich zuvor wenigstens bemüht, muss sich für einen Moment ungestört mit offenen Geist und offenen Sinnen auf das Werk eingelassen haben.
Gelangt solcher Dialog zwischen Werk und Rezipient zu keinem Ergebnis, ist es eben so. Oft jedoch kommt es zu ungeahnten Effekten - die Freude am freien Spekulieren, Interpretieren, hinschauenden Entdecken und Enträtseln ist nicht der geringste unter den Daseinszwecken der Kunst.
Diese Herangehensweise kann auch die Begegnung mit einer zeithistorischen Wandzeitung von Diego Castro oder den rot-tintigen Federzeichnungen von Bea Emsbach über Licht- und Schattenseiten der Kommunikation zum Abenteuer machen. Im konservativen Sinn "gefallen" müssen einem diese Werke oder die an Ort/Anlass gebundenen Aktionen des Irakers Mohamed Abdulla deshalb noch lange nicht. Kunst bleiben sie dennoch. Denn die Kunst auf "Gefälligkeit", selbst auf Schönheit zu reduzieren, hieße, sie amputieren - und die Freiheit des Betrachters gleich mit. Andreas Pecht
Bis 5. Dezember; Schloss Balmoral, Bad Ems, Villenpromenade 11; tägl. 11-17 Uhr.
Info: Tel. 02603/941 90;
www.balmoral.de
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 06.11.2004, Seite 27
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Druckbare Version
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Dezember 2004 Oktober 2004
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