April 2004

Tschador brachte neue Erkenntnis

Tschador brachte neue Erkenntnis

Girls-Day im Künstlerhaus Schloss Balmoral: 20 Mädchen auf den Spuren der Frauenrolle - Mit Stipendiaten gearbeitet

"Wer bin ich, was will ich?" - auf diese Frage suchten rund 20 Mädchen im Künstlerhaus Schloss Balmoral eine Antwort. Im Rahmen des "Girls- Days" beschäftigten sie sich mit ihrer eigenen Identität und schlüpften in die Rolle junger Frauen aus einer anderen, weit entfernten Kultur.

BAD EMS. Ein wenig schüchtern waren die rund 20 Mädchen vom Bad Emser Goethe- Gymnasium und von der Nassauer Dietrich-Bonhoeffer- Realschule schon, als sie sich gestern Morgen zum "Girls- Day" im Künstlerhaus Schloss Balmoral einfanden. Unter dem Motto "Wer bin ich, was will ich" erhielten sie einen Einblick in die Arbeit einer Kunsthistorikerin und durften außerdem mit den Stipendiatinnen Gabriela Golder (Argentinien) und Parastou Forouhar (Iran) gemeinsam arbeiten.

"Ich interessiere mich für Kunst und wollte einfach mal schauen, was mich hier erwartet", begründete Sonja Rzymann (15) aus Bad Ems, Schülerin der neunten Klasse in der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule, ihre Teilnahme. Einen künstlerischen Beruf strebe sie allerdings nicht an. Ebenso wenig wie Julia Heimann (15) aus Arzbach, die die neunte Klasse des Goethe-Gymnasiums besucht. Der von der iranischen Künstlerin Forouhar angebotene Workshop über den Tschador hatte sie neugierig gemacht.

"Ich möchte wissen, was es für ein Gefühl ist, einen solchen Schleier zu tragen", sagte sie. Und genau das interessierte auch die Künstlerin. "Die Teilnehmer im Workshop machen die Erfahrung, wie ein bestimmtes Kleidungsstück den Freiraum des Körpers einschränken kann. Es geht darum, wie die Mädchen damit umgehen und ob sie sich trotz Schleier wiedererkennen", erklärte Forouhar.

Die Identitätsfrage stand also im Mittelpunkt des "Girls- Days" im Künstlerhaus Schloss Balmoral. "Die Mädchen sollen die Möglichkeit haben, sich mit ihrer eigenen Rolle auseinanderzusetzen und zu vergleichen, wie unterschiedlich diese in anderen Kulturen sein kann", erklärte die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Lahn-Kreises, Alice Berweiler-Kaufmann.

Diese Gelegenheit bot sich den Schülerinnen ebenfalls im Workshop von Gabriela Golder. Sie wollte den Jugendlichen entlocken, was es für sie heißt, Mädchen zu sein. "Ich habe das Projekt bereits in Argentinien mit Frauen im Alter von acht bis 80 Jahren gemacht. Mich interessiert, wie die Definition der Rolle des Mädchens, individuell und sozial, von Land zu Land variiert", sagte die Künstlerin. Ein Thema, das auch die 17-jährige Schülerin am Goethe-Gymnasium, Olivia Studnitz aus Bad Ems, neugierig gemacht hatte. "Ich finde es spannend, etwas über Rollenverteilung und -definition zu erarbeiten. Darüber hinaus will ich versuchen, herauszufinden, was im Kopf einer Künstlerin vor sich geht. Was sie empfindet und wie sie dies vermittelt", sagte sie.

Nach der Praxis standen theoretische Ausführungen an. Danièle Perrier, Geschäftsleiterin des Künstlerhauses, und Janine Schmutz, wissenschaftliche Assistentin, stellten die Tätigkeit einer Kunsthistorikerin vor. Zwar sei dies kein typischer Männerberuf, aber darum gehe es auch gar nicht. Die Referentinnen wollten vielmehr aufzeigen, wie schwierig der Weg in eine Führungsposition insbesondere für Frauen ist. "Die Flexibilität spielt hierbei eine wichtige Rolle", unterstrich Danièle Perrier, Geschäftsleiterin des Künstlerhauses Schloss Balmoral. "Ich hoffe, dass der Girls-Day im Bewusstsein der jungen Menschen bleibt und dass der Grundgedanke, ein breites Spektrum bei der Berufswahl in Betracht zu ziehen, anstatt eine kleinen Auswahl, bei den Mädchen angekommen ist", sagte Berweiler-Kaufmann abschließend.

Die Gleichstellungsbeauftragte besuchte zwei weitere Girls-Day-Aktionen im Rhein- Lahn-Kreis: In der Lahntalschule in Nassau wohnte sie einem Bewerber-Training für Mädchen bei, die eine Ausbildung im Handwerk anstreben, und im Bad Ems schaute sie im Statistischen Landesamt den weiblichen Jugendlichen über die Schulter, die sich in die Geheimnisse der IT-Branche einweihen ließen. Silke Müller

Zum Girls-Day gibt es einen Wettbewerb, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gibt. Infos: www.girls-day.de

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 23.04.2004, Seite 16

Das große "Kreuzbein" ist mitten im Raum

Das große "Kreuzbein" ist mitten im Raum

Ausstellung des Balmoral-Stipendiaten Stefan Thiel eröffnet - Medizinisches Objekt verfremdet

BAD EMS. Bei frühlingshaften Temperaturen wurde die Vernissage zur Ausstellung "Kreuzbein" des Balmoral- Stipendiaten Stefan Thiel kurzerhand nach draußen, vor den Laden Nummer 5, in den Kurpark verlegt.

Natürlich ließen es sich die Besucher dennoch nicht nehmen, im Inneren der kleinen Galerie Thiels Exponate zu begutachten. Das Hauptobjekt, das große "Kreuzbein", bildet buchstäblich den Mittelpunkt der Ausstellung. Und das ist neu für den Künstler, wie Janine Schmutz vom Künstlerhaus Schloss Balmoral in ihren einführenden Worten bemerkte. "Es ist das erste Mal, dass Stefan den Weg von der Wand in den Raum gewagt hat", sagte sie.

Wie bei seinen anderen Objekten hat Thiel auch beim "Kreuzbein" die Oberfläche (auf-)geschnitten und die verschiedenen Elemente zu einer neuen Form zusammengefügt. "Was man letztlich darin sieht, bleibt der Vorstellungskraft eines jeden überlassen. Es ist faszinierend, was man dann entdeckt. Schauen Sie genau hin und lassen Sie sich inspirieren", lautete der Tipp von Schmutz. Thiel hat darüber hinaus eine spezielle Edition im Scherenschnitt zum "Kreuzbein" angefertigt. Insgesamt sind es zehn Werke, die zum Preis von je 120 Euro erworben werden können. Informationen hierzu erteilt das Künstlerhaus Schloss Balmoral unter der Rufnummer 02603/9 41 90. (sm)

Die Ausstellung "Kreuzbein" ist noch bis Sonntag, 9. Mai, im Laden Nummer 5 zu sehen.

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 03.04.2004, Seite 18


Druckbare Version

Mai 2004
März 2004