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Kurswechsel im Künstlerhaus 4-07

Kurswechsel im Künstlerhaus Schloß Balmoral in Bad Ems
Interview von Tom Koesel mit der Leiterin des Künstlerhauses, Dr. Danièle Perrier

TK:
Vor gut drei Jahren war durch die Landesregierung Rheinland-Pfalz ab 2005 eine Halbierung des Etats Ihres Hauses beschlossen worden, ebenso konnten die Stipendien nicht mehr international ausgeschrieben werden. Diese Entscheidungen sind jetzt rückgängig gemacht worden und für 2008 waren wieder internationale Bewerbungen möglich. Der Etat wurde von 235.000 Euro auf 380.000 Euro erhöht, so dass jetzt 100% mehr Gelder für die künstlerischen Projekte zur Verfügung stehen. Frau Dr. Perrier, was hat zu dieser positiven Wende geführt?

DP:
Dafür gibt es mehrere Gründe. Staatssekretär Roland Härtel, der für die Kürzungen in Balmoral mitverantwortlich war, wurde durch Prof. Dr. Joachim Hofmann-Götting ersetzt, der schon einmal in diesem Amt war, als Balmoral gegründet wurde. Dadurch war auf der Landesebene wieder eine andere Einschätzung der Rolle und Aufgabe eines solchen Künstlerhauses gegeben und ebenso eine Offenheit für die Anliegen und die Kritik der Künstler. Man hat erkannt, dass man ein solches Haus entweder mit Leben füllt oder dass man es schließen muss. Ein Künstlerhaus mit internationalem Renommee kann man nicht derartig „herunterfahren“ bzw. auf verwaltende und organisatorische Funktionen reduzieren. Als zweiter Grund ist zu nennen, dass es auch ein Grundanliegen der Lokalpolitiker war, dass ein von Ihnen bewirtschaftetes Haus nicht nur als Verwaltungsstätte fungiert, sondern selbst aktiv ist und entsprechend nach außen wirkt. Zwei Jahre lang war das Haus ja künstlerisch unterbesetzt und das hat man hier gemerkt. Die positive Ausstrahlung des Hauses mit dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm und jährlich insgesamt 15 Stipendiaten war vielen Funktionären und Politikern ja noch präsent. Ausschlaggebend war aber auch die Kritik der Künstler, hier nur noch allein zu sein, also ohne Dialog, ohne Begleitprogramm und ohne entsprechende lokale Anbindung. 2003 hat sich auch der „Förderverein Balmoral 03 e.V.“ gegründet um sich für die Belange unseres Hauses einzusetzen. Auch die Bürger von Bad Ems haben also die Bedeutung der Internationalität erkannt und unsere Anstrengungen durch die Gründung des „Internationalen Kunstpreises“ unterstützt, der in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben wird. Ein weiteres positives Signal war, dass uns der Revolver Verlag mit den Jahrbüchern des Künstlerhauses in sein Programm aufgenommen hat. Dabei hat uns der Verlag bei der Konzeption beraten und uns damit maßgeblich unterstützt. Diese beiden Punkte haben sicherlich auch dazu beigetragen, die Bedeutung des Hauses wieder zu stärken.

TK:
Seit April ist die Kurskorrektur wirksam geworden, woran zeigt sich das?

DP:
Ich glaube, dass wir es in den letzten Monaten geschafft haben, an unsere Internationalität anzuknüpfen. Derzeit gibt es einen Austausch mit dem Chelsea College London und wir beherbergen Gastkünstler aus Brasilien, China, Frankreich und Litauen. Allerdings muss man auch sagen, dass wir mit 7 Stipendien zur Zeit nur ein halbes Jahr belegt sind - wir haben also noch etwas Luft nach oben...denkbar wären z.B. auch Stipendien auf Einladung anderer Institutionen. Es ist jedenfalls sehr erfreulich, dass wir jetzt wieder Mittel haben, um die Stipendien nicht nur zu verwalten, sondern mit den Stipendiaten ein Programm zu gestalten und so den wichtigen Kontakt nach außen zu befördern, d.h. Vortragsreihen und Veranstaltungen im Sinne einer Belebung der Stipendienzeit zu bestreiten und eine Präsenz Balmoral andernorts zur besseren Vermittlung der Stipendiaten.

TK:
Gibt es grundsätzliche Änderungen im Vergleich zum Status Quo von 2004?

DP:
Neu ist, das eines der Stipendien als Theoriestipendium ausgewiesen wurde, so das wir einen jungen Wissenschaftler fördern können, sich sowohl in die Organisation einzubringen als auch kuratorische Aufgaben zu übernehmen. Das passiert in enger Zusammenarbeit mit mir. Das erste Stipendium wurde an einen Wissenschaftler vergeben, der die Ausstellung „Unverzagt – das Hotel Balzer!“ ausgerichtet hat. Er hat die Ausstellung organisiert und den Katalog publiziert. Für mich ist das eine Entlastung und Bereichung. Für die Stipendiaten bedeutet es, dass es einen zusätzlichen Ansprechpartner gibt, mit dem man auch inhaltlich kommunizieren kann.
Neu ist auch, dass für die Künstler aus Rheinland Pfalz zusätzlich zu den Landesstipendien in Paris und Wiepersdorf noch Aufenthalte in London (Chelsea College of Art and Design) und New York (Location One) hinzugekommen sind.

TK Was ist für die nächste Zeit geplant?

DP:
Wir sind bestrebt, auch die Künstlergespräche wieder aufleben zu lassen. Wir wollen z.B. Robert Fleck und Birgit Weidmann für einen Vortrag über die Mühl-Kommune (AAO) einladen, geplant ist der 25. Oktober. Thomas Hirschhorn und Thomas Locher sollen ebenfalls eingeladen werden, weil diese beiden mit Ihren Arbeiten in die Thematik „Rebellen, Reformer, Revolutionäre“ des Kultursommers Rheinland-Pfalz passen. Jürgen Heiter hat am 18. Juli schon Arbeitsproben seines neuen Films „Long live the People of the Revolution“ vorgestellt. In Berlin eröffnen wir am 1. August die Ausstellung „Kulturportale Balmoral in der Galerie Nord“, in der alle Stipendiaten des Jahrgangs 2006/7 vorgestellt werden.

TK: Planen sie auch, wieder ein Medienfestival in Bad Ems durchzuführen?
DP:
Es ist mein Bestreben wieder derartige konzentrierte Workshops zu organisieren, bei denen Kunstwissenschaftler und Künstler über die derzeitige Kunstentwicklung gemeinsam debattieren. Dies setzt allerdings eine entsprechende personelle Ausstattung voraus.
TK: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den geplanten Projekten.

Zum Interview auf dieser Seite:
Wer die Veranstaltungen in Bad Ems besuchen will, kann sich in den Verteiler des Hauses aufnehmen lassen oder sich auf der Internetseite informieren:
Künstlerhaus Schloß Balmoral, Villenpromenade 11, 56130 Bad Ems, Tel. 02603-9419-0, Email: info@balmoral.de, www.balmoral.de

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