Barbara Wille

Die Werke der in Berlin lebenden Künstlerin Barbara Wille thematisieren
die Ambivalenz von Sein und Zeigen. Insbesondere sind es ihre
Fotointarsien, die durch das Kombinieren realer und abgebildeter
Oberflächen auf überraschende Weise die Regeln des Wahrnehmens aufzeigen
und verblüffend spielerisch durcheinander bringen. Diese Arbeiten sind
augenfällige Belege dafür, dass selbst die Fotografie nicht vor den Fallen
des Trompe l´oeuil sicher ist.

In den Latte macchiato Bildern erfährt dieses Thema eine neue Wendung. Die
Fotografien zeigen Momentaufnahmen von Überflutungsprozessen: Eine opak
weisse Flüssigkeit ergießt sich in den Bildraum. Ihr stetig steigender
Spiegel vereinnahmt die darin platzierten Gegenstände. Auf anderen
Aufnahmen ist es die Hand der Künstlerin, die in der Flüssigkeit zu
versinken scheint. Mehr und mehr spannt sich die Oberfläche über die
Ränder. Die Spannung  wird dem Druck der nachfließenden Milch nicht mehr
lange widerstehen. Im nächsten Moment werden die Fingerkuppen
verschwinden. Der Spiegel wird sich über ihnen entspannen und schließen.
Die Oberfläche des flüssigen Mediums und die Bildfläche werden eins.

Dieser Moment der größten Spannung ist zugleich der Moment des Auslösens.
In diesem Augenblick wird das Medium der Fotografie mit dem
vereinnahmenden Fluidum identifiziert. Licht ergießt sich in den Apparat.
Zurück bleibt das opake Weiß der Flüssigkeit und das lichtlose Schwarz der
Kamera. Dazwischen entsteht das Bild.


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