Steffi Wurster

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Vita
1971 geboren in Ludwigshafen a. Rh.
1991-98 Studium an der Kunstakademie der Universität Mainz bei Prof. Ansgar Nierhoff
1998-2002 Studium Bühnenbild an der UdK Berlin bei Achim Freyer, Einar Schleef und Hartmut Meyer

Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

Preise und Stipendien
2010 Arbeitsstipendium Film/Video, Senat Berlin
2008 Anwesenheitsstipendium des Landes Rheinland-Pfalz für das Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf
2007 Werkvortrag und Workshop am The Young Vic, London
2006 Werkvortrag an der HfG Karlsruhe, Studiengang für Szenografie
2006 Laborleitung an der Winterakademie, Theater an der Parkaue, Berlin
2005 Projektförderung Fonds Darstellende Künste für Der Eindringling, Plateaux Festival
2003 impulse festival, Die Gerechten/Camus (Bühne)
2002 Berliner Festspiele, Peer Gynt/Ibsen (Kostüme)
1997 Examensstipendium der Kunstakademie der Universität Mainz

Ausstellungen, Projekte und Screenings (Auswahl)
2010 n-ost, Screening, Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung
2010 Im Vorgarten die Kiesfabrik, Screening, Goethe-Institut Moskau
2009 Umschlagplatz, Fruchthalle Kaiserslautern
2009 km 500 2 Stipendiaten 2008 des Landes Rheinland-Pfalz und des Künstlerhauses Schloß Balmoral, Kunsthalle Mainz
2007 Wunder der Prärie, Internationales Festival für Theater/Performance/Tanz/Kunst, Mannheim
2007 12 Monkeys, Galerie miejsce – der Ort, Berlin
2007 Laptopia #3 – The 3rd edition of interval´s exp. art festival, Tel Aviv, Israel
2007 Orbitshowdown, Theater Freiburg
2006 Internationales Festival Junger Theater- und Performancekunst, neues theater Halle
2005 Plateaux Festival, Mousonturm Frankfurt,
2004 Private Impact, 2.Internationales Performance Art Meeting, Stettin
2004 Performance Art Gütersloh, Kunstverein Gütersloh
2003 Baltic Biennale, Teatr Kana, Stettin
2003 rencontres internationales Paris-Berlin, Immanence, Paris
2003 rencontres internationales Paris-Berlin, Podewil, Berlin
2001 vronlichnam, Performancefestival, Zionskirche Berlin
2001 megapearls, galerie weisser elefant, Berlin
2000 art migration, Nationalmuseum Stettin, Polen
2000 Arche 2000, Claire College Mission Church, London
2000 BrotZeit, Zagreus Galerie, Berlin
1999 urban dialogues, Rathauspassagen am Alexanderplatz, Berlin
1999 Hörma, UdK Berlin
1997 o media dell`arte, Schloß Wahn, Köln
1997 Der Freiheit ein Denkmal, Kunstverein Offenburg
1994 Neun aus Mainz, Kunsthalle Mannheim
1994 Römisch I, Brückenturmgalerie der Stadt Mainz

Bühnenräume (Auswahl)
2010 Der Sturm von William Shakespeare, Regie: Corinna von Rad, Nationaltheater Weimar
2010 Woyzeck von Georg Büchner, Regie: Nora Schlocker, Nationaltheater Weimar
2009 Kafka`s Monkey, nach Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“, Regie: Walter Meierjohann, The Young Vic Theatre, London; Tour zum Sydney Theatre, Malthouse Theatre Melbourne, Attiki Festival, Athen und Theatre des Bouffes du Nord, Paris
2009 der menschenfeind/Antonia Caldera, Regie: Michael Dißmeier, Nationaltheater Weimar
2009 faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete/Ewald Palmetshofer, Regie: Felicitas Brucker, Schauspielhaus Wien
2009 Bulger – Eine unzulässige Geschichte von Klaas Tindemans, Regie: Nora Schlocker, Maxim Gorki Theater, Berlin
2008 Frühlingserwachen/Frank Wedekind, Regie: Felicitas Brucker, Theater Freiburg
2008 Urfaust/J.W.Goethe, Regie: Felicitas Brucker, Maxim Gorki Theater Berlin
2007 Erotic Queens, Endstation Stammheim, Regie: Dora Lanz, Staatstheater Stuttgart
2007 Der Process/Franz Kafka, Regie: Jarg Pataki, Theater Freiburg
2006 Der zerbrochene Krug/Heinrich Kleist, Regie: Walter Meierjohann, Theater Rostock
2005 People next door/Henry Adams, Regie: W. Meierjohann, Staatsschauspiel Dresden
2005 Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn/Petr Zelenka, Regie: W. Meierjohann, Staatsschauspiel Dresden
2004 Freischwimmer, Sophiensaele Berlin, Kampnagel Hamburg, FFT Düsseldorf und Theaterhaus Gessnerallee Zürich
2004 Tod eines Handlungsreisenden/Arthur Miller, Regie: W. Meierjohann, Staatstheater Mainz
2004 SIC/Melissa Gibson, Regie: Annette Kuss, Theater Bonn
2004 Zeugen, Regie: Rimini-Protokoll, HAU 2, Berlin und ballhofeins/ schauspiel-hannover
2002 X Wohnungen, Ausstattungsleitung, Theater der Welt 2002, Duisburg

Kurzbeschreibung
Bei Steffi Wurster überlagert sich das Werk der Bildenden Künstlerin mit jenem der Bühnenbildnerin. Sie baut Modellräume als Installationen, die wiederum zum Gegenstand ihrer Videos werden. Die menschenleeren Modellbauten sind an reale Situationen aus dem unspektakulären Alltag angelehnt: Gänge, Fensterausschnitte, die den Blick auf das gegenüberliegende Mietshaus frei geben, oder eine offene Tür aus einem fast leeren Raum mit Blick auf die Landschaft, geben in der Verfilmung zunächst den Eindruck einer scheinbaren Wirklichkeit.
Erst bei längerer Beobachtung fallen Details auf, die in der Wirklichkeit nicht so sein können: Es gibt keine Luft zwischen dem Fenster und dem Haus dahinter, die Perspektive des Hauses selbst ist nicht stimmig. In den Videos übernehmen die Requisiten die Rolle der Akteure. Dabei ist der Szenenwechsel so gering, dass nur ein geschultes Auge ihre Bewegung wahrnimmt. Der Lichteinfall verändert sich langsam, ein Mülleimer wechselt den Standort wie von einer unsichtbaren Hand bewegt und ein Stuhl dreht sich; die Tür fällt lautstark ins fehlende Schloss und verschließt den Blick nach draußen. Die Aktion ist in der Zeit so ausgedehnt, dass die Ausdauer des Betrachters auf die Probe gestellt wird. Weil in dieser scheinbaren Regungslosigkeit das Auge die Zeit hat, alle Details zu erfassen, ist es in der Lage, die surrealistisch anmutenden Veränderungen und somit die Konstruktion der Wirklichkeit wahrzunehmen.
Es ist signifikant, dass Wurster für ihre „Illusion im Modellhaften“ den Titel des verfilmten Songs von David Bowie Space oddity wählt und auf diese Weise auf die Kuriosität ihrer Konstrukte hinweist. Im Gegensatz zu Bowies Film wählt sie allerdings eine Perspektive der Nähe, nicht der Ferne. Der Blickwinkel verschiebt sich, je nachdem, welche Position sie im Raum einnimmt, ob sie liegt, sitzt, steht, ganz nah am Szenenausschnitt oder weiter entfernt ist. Wenn auch unsichtbar, ist sie mit ihrer subjektiven Wahrnehmung der Inszenierung anwesend.
Mit ihren Illusionsräumen möchte Steffi Wurster auf unsere alltägliche Konfrontation zwischen der realen und der imaginären Welt, deren Grenzen oft verschwimmen, aufmerksam machen.

Danièle Perrier

aus: Balmoral km 500/2, Jahrbuch 2008/2009, Teil 1 (= Katalog zur Ausstellung km 500 2 in der Kunsthalle Mainz), Berlin: argobooks, 2009. S. 36.


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